Reli lernen – I.

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Theodizeefrage.

Damals hieß es im Tun-Ergehen-Zusammenhang, an den auch Hiobs Freunde glauben: Gott hat die Welt gut geschaffen, sie hat eine perfekte Ordnung. Diese Ordnung straft bei Vergehen, nicht etwa Gott direkt. Aber auch Guten widerfährt Böses… unbefriedigend.

Leibniz sagt: Leiden ist Teil der bestmöglichen Welt. Das ist nun mal so… besser geht’s halt nicht. Schade.

Epikur stellt fest, dass es einen Widerspruch zwischen der Allmacht und der Allgüte Gottes gibt. Denn das Leid gibt es. Und wenn Gott allmächtig ist, kann er in Anbetracht des Leides nicht allgütig sein. Aber wenn er allgütig ist, dann ist er wohl in Anbetracht des Leides nicht allmächtig. Unbefriedigend… auf irgendwas muss man wohl verzichten.

Paulus findet die Taufe ganz toll, aber er bezieht sich nur auf die Taufe in letzter Minute, so wie Johannes taufte. Bei Paulus stirbt nämlich der alte Mensch mit der Taufe und erhält neues Leben durch den Geist, der mit der Taufe zum Menschen kommt. Das ist der Zuspruch des Geistes und damit Zuspruch der Freiheit für den Menschen. Damit wird aber auch der Anspruch an den Menschen, sich dementsprechend zu verhalten, gestellt.

Hiob wird auf die Probe gestellt und bleibt dennoch bei seinem Glauben. Er stellt die Gottesbegegnung über die theoretische Erklärung, also programmatisch vormuliert: weg von der Schreibtischtheologie hin zum Gebet.

Luther verfolgt einen anderen Ansatz, er argumentiert weder direkt biblisch noch direkt philosophisch, sondern nach seiner Meinung und Lehre, also dogmatisch: Zuerst einmal sieht er die Hoheit bei Gott, das ist ihm wichtig. Dann hat er drei Kernpunkte:

  1. Es gibt eine „dunkle Seite“ Gottes, diese bringt Leid. Das nennt er „deus absconditus“.
  2. Gott ist am Kreuz Christi zu erkennen, man kann also „zu Christus fliehen“. Dies geht gegen das ursprüngliche Gottesbild, in dem Gott als unnahbar angesehen wird. Luther sagt, man könne von Gott nichts erzwingen, aber im Glauben kann man von Gott gerecht gemacht werden. Allerdings kann man sich niemals selbst gerecht machen, indem man glaubt.
  3. Das Leiden ist erst eschatologisch, also mit Blick auf die letzten Dinge, zu verstehen.

Luther verstrickt sich in einen Widerspruch. Aber er sagt: Wir können es nicht verstehen, was Gott tut, aber am Ende werden schon alle Rätsel aufgelöst werden. Dafür benötigt man Glaubensgewissheit.

Der Bundesgedanke kann nicht als Lösung der Theodizeefrage fungieren. Bei Hiob wird dies deutlich: Der Bund hält, aber das Leid ist trotzdem da.
Ostern überbietet den Bund und führt ihn weiter: Im Bund geht Gott an der Seite, geht bis in den Tod. Ostern geht über den Tod hinaus.

An Ostern scheiden sich abermals die Geister: Paulus sieht im Ostergeschehen „Gott ist Sieger“, Gott hat den Tod einmal überwunden, in Jesus. Bei Hiob und auch bei dessen Freunden, also beim Tun-Ergehen-Zusammenhang, bei welchen es um die Vollendung des Reiches Gottes und um den Bund geht, heißt es eher „Gott wird Sieger“. Luther hingegen steht dazwischen: Einerseits sagt er, dass Leiden sei eschatologisch zu verstehen, also mit Blick auf die bevorstehende Vollendung des Reiches Gottes, andererseits legt er ein Augenmerk auf Christus, dessen Todesüberwindung und das damit verbundene Anbrechen des Reiches.

Übrigens: Heutzutage ist die Problematik „Gott: ja oder nein“, früher, also sehr lange vor unserer Zeit, war es „Welcher der vielen Götter ist mächtiger?“

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