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Standard

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Sie versucht, den alten Staubsauger zu reparieren, anstatt sich einen neuen, besseren zu kaufen oder besorgen zu lassen.
Nur, um sich abzulenken, von dem Gedanken, dass er wohl nicht mehr lange bei ihr ist. Bei uns allen ist. Körperlich. Bleiben wird er immer, im Herzen. Das ist klar. ♥
Allerdings… der Körper ist schwach. Sein Körper ist schwach. Daran kann auch die Operation nichts ändern. Entgiften ist nur möglich, wenn nicht nur die primären körperlichen Gegebenheiten stimmen, sondern auch die sekundären (die Kraft) und auch die tertiären (der Wille und der Glaube).
Doch gerade die tertiären Gegebenheiten schwinden. Daran hat unter anderem ein gewisser Arzt die Schud zu tragen. Aber nun… so ist das. So und nicht anders.
Ein schnelles Ende ist nicht immer erstrebenswert.
Man steht kollektiv vor diesem Zwiespalt.
Meine Position bzgl „Schnelles Ende?“:
|| Ja O | Nein O | Weiß nicht…? X ||
Ihre
Position pendelt vermutlich zwischen den drei Möglichkeiten.
Und wo der Rest steht: Woher soll ich das wissen? ._.

Tja. 8. November 2009. 14. Juni 2010. Was hat sich verändert? Sie versucht nicht mehr, den Staubsauger zu reparieren. Ich weiß gar nicht, ob sie mittlerweile einen neuen hat. Im Garten macht sie das, was sie kann. Sie hofft, dass es bald vorbei ist. So furchtbar das auch klingen mag. Ich glaube, sie ist am Ende ihrer Kraft. Am Ende ihres Glaubens. Er wird ja doch nicht mehr gesund. Im Gegenteil. Es wird immer schlimmer. Er wird immer schwächer. Kann kaum allein gehen. Sie folgt ihm, passt auf ihn auf. Doch wer passt auf sie auf?
Vor drei Jahren ihr Fuß. Vor gut zwei Jahren er. Ein Schock. Für uns alle. Was nun? Ärztemeinung: Drei Wochen. Vielleicht drei Monate. Nun sind es zwei Jahre. Zwischendurch ging es ihm gut. Doch dann kam das Wasser. Nun muss er ständig ins Krankenhaus. Doch er darf zu Hause sein. Es sind nur ambulante Behandlungen. Der Weg wird immer beschwerlicher. Das Pflegebett steht ungenutzt im Schlafzimmer, er schläft nach wie vor im Ehebett. Sie auch. Doch sie schläft zu wenig. Pflegedienst? Pff… hilft ja doch nicht. Will er auch nicht. Und sie auch nicht. Was sonst kann sie denn für ihn tun?

Ich habe Angst.
Angst. Ein einziges Wort mit so großer Bedeutung. Ich habe Angst. Ein so bedeutungsvoller Satz. Und doch so schwach. Meine Angst. Macht mich schwach. Angst ist kalt. Dunkel. Furchtbar.
Ich möchte keine Angst haben müssen.
Doch möchte ich, dass der Auslöser meiner Angst verschwindet?
Dann wäre es eine Erlösung für einen schwer kranken alten Menschen. Einen geliebten Menschen. Doch wenn ich an seinem Bett stehe, dann sehe ich nicht den Menschen, den ich früher kannte. Ich sehe nicht den gesunden, starken, lebensfrohen Menschen, der für alle da ist. Ich sehe einen kranken, pflegebedürftigen Menschen, dem es recht zu machen immer schwieriger wird. Kein Tee, kein Pudding. Wer hätte das gedacht? Wenn sie Pudding kochte, füllte sie immer eine kleine Schale extra und stellte sie in den Schrank zum Geschirr. Für ihn, der nachts aufstand und Pudding aß. Das ist vorbei.
Angst ist kalt. Beklemmend. Beängstigend.

Ich frage mich, ob ich allein bin. Angst macht allein. Wer versteht das schon. Wer fühlt so wie ich? Man kann Gefühle so schlecht teilen. Mitteilen. Und teilen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Doch – wer teilt Angst? Angst kann man nicht teilen. Oder doch?
Warum nimmt mich diese Situation so mit? Lasse ich sie zu sehr an mich heran? Ich fürchte mich. Vor dem Ende. Vor dem Fortgang. Vor so vielem. Vor nahezu allem.

Wake me up when it’s over. Kommt einem Davonlaufen gleich. Muss ich das durchstehen?

Es gibt Menschen, denen Unvorstellbares geschieht, womit verglichen meine Situation lächerlich erscheint. Doch das hilft mir nicht. Es ist immer noch meine Angst.

Abgrund einer Angst. Abgrund meiner Angst. Angstabgrund. Lähmend. Da hilft kein WM-Fest, keine Arbeit, kein Fernsehen, keine Musik, keine Schokolade, kein Schlaf.

Angst.

Zuversicht?

Angst.

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