Schwedenurlaub 2010 – Reisebericht

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In aller Frühe aufzustehen ist sonst gar nicht mein Ding, dementsprechend müde ging es los nach Bremen. Mit fast allen Sachen im Gepäck, die ich mitnehmen wollte – das sollte sich aber erst später herausstellen – wurde ich von einem Freund um halb sechs abgeholt und zum Flughafen gebracht. Dort hieß es Warten. Warten, frühstücken, den Koffer aufgeben, warten, den Flughafen erkunden, noch ein bisschen in einer Schlange warten und dann endlich durch die Sicherheitsschleuse Richtung Flugzeug. Dort hieß es Abschied nehmen und dann ging es auf in die weite Welt.

Der Flug war ganz okay, Wetter war in Nyköping (Skavsta Airport) auch vorhanden, sprich: Es war ziemlich feucht. Aber frohen Mutes und überglücklich, auf schwedischem Boden zu stehen, ging es dann per Bus über Nyköping nach Norrköping und von dort mit dem Zug über Linköping nach Mjölby, von da dann wieder mit dem Bus und einem Umstieg nach Vadstena. Auch dort war „feucht“ das vorherrschende Wetter, außerdem waren gerade einige Ritter in der Stadt… so kam ich dann am Gästehaus an, durfte mein Zimmer beziehen und mich ausruhen. Am Abend begann dann der Arbeitsalltag für mich: Abräumen, Spülen, Eindecken… langsam kam ich wieder rein. In den zwei Jahren, die zwischen meinem ersten und zweiten Sommarflicka-Dasein lagen, hab ich Einiges vergessen, aber das kam schnell wieder.

Nach ein paar Tagen war ich also voll drin und konnte dem neuen Sommermädchen schon zeigen, wie es läuft. Neben den Arbeiten für die Mahlzeiten hatten wir Wäsche auszutragen (Handtücher und Bettwäsche aus den Wäschereisäcken in die Schränke räumen), mal ein Zimmer zu reinigen, Stachelbeeren zu plücken und zu entstielen, Lavendelblüten zu schneiden und zu pulen, Kekse zu backen und Schränke ab- und auszuwischen. Doch trotz all der Arbeit für uns gab es jeden Vormittag pünktlich um 10 (okay, ab und zu erst später, wie es gerade passte) die Kaffeepause, fika genannt. Da saß man dann entweder in der Küche oder draußen zusammen, trank Kaffee, aß ein Stück Brot mit Butter, Marmelade oder Käse und unterhielt sich mit den anderen, also mit der Köchin, den Nonnen im Gästehaus, den anderen Sommermädchen, dem bald-Mönch und den anderen Helfern im Gästehaus. Das Ganze passierte international auf Schwedisch, Deutsch, Englisch oder gar Französisch und im Notfall nahm Hände und Füße zur Hilfe. Themen… kann ich nicht wiedergeben, es ging um Gott und die Welt. 😉

Nach dem Mittagessen (samt Spülen und Eindecken für den Abend) hatte man meistens frei (einen Nachmittag haben wir Kekse gebacken), das war meist gegen zwei Uhr oder sogar eher, wenn das Mittagessen vorverlegt wurde. Erst um Viertel vor sechs hatte ich wieder in der Küche zu sein, um das Abendessen vorzubereiten. So hatte ich viel Zeit, um am See spazieren zu gehen, zu lesen, die Shopping-Straße abzulaufen, in der Bibliothek das Internet-Angebot zu nutzen, Fotos zu machen…

Nach dem Abendessen war ich auch frei. Die Nonnen verfügen über eine beachtliche Bibliothek im Gästehaus, auch viele deutschsprachige Bücher sind zu finden. In den zweieinhalb Wochen hab ich folgende verschlungen:

  • John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie (fühlte sich arg nach einem Sherlock-Holmes-Abklatsch an, war aber unterhaltsam)
  • Kate Sedley: Das alte Lied (ganz nett, unverhofftes Ende)
  • Gemma O’Connor: Tödliche Lügen (zum um-die-Ecke-denken, manchmal ein bisschen anstrengend umschrieben)
  • Dorothy Canfield Fisher: Das allerbeste Apfelmus (süße Geschichte. Hachja.)
  • Helen Tursten: Der Novembermörder (hatte ich schon mal in Vadstena gelesen, daher nur überflogen)
  • Martin Mosebach: Der Mond und das Mädchen (seltsam. Modern. Aber gar nicht so schlecht.)
  • Giovannino Guareschi: Don Camillo und Peppone (klasse)
  • A. J. Cronin: Die Schicksalsnacht (man merkt dem Buch sein Alter an… aber: mitreißend)
  • Clara Nordstöm: Mein Leben (wunderbar)
  • Ilse Gräfin von Bredow: Kartoffeln mit Stippe (ganz nett)

Außerdem hab ich zwei eigene Bücher mal wieder gelesen: Das Hirtenprinzip (weil ich damit gearbeitet habe) und den Dreierband „Kati in Amerika/Italien/Paris“ von Astrid Lindgren, den ich aber nicht ganz geschafft habe.

Schwimmen war ich auch, denn Vadstena liegt direkt am Vättern. Zwei Mal hab ich mich ins Wasser getraut, denn Schwedens kältester See hatte etwa 17°C.

Ein Wochenende habe ich dann noch außerhalb Vadstenas verbracht: Freitags ging es los mit Bus und Zug nach Frövi, von dort mit im Auto einer Forumbekanntschaft nach Östervåla (nördlich von Uppsala) zum Forumtreffen. Das war spaßig, die zum Teil vom letzten Jahr Bekannten und die noch Unbekannten (nur im Forum bekannt) zu treffen! Auf dem Programm standen Katzen kuscheln, Milch trinken (Insider), ein Ausflug, Kubb und Federball spielen und natürlich ganz viel reden. 🙂 Wunderschönes Wochenende. Zurück ging es dann am Sonntag mit zwei anderen Foris, die mich mit dem Auto bis nach Vadstena zurück brachten. 🙂

Die zweieinhalb Wochen vergingen wie im Flug, wie mir scheint, auch wenn ich manches Mal beinahe Langeweile gehabt hätte und viel Zeit für mich hatte. Schließlich ging es zurück, an einem Sonntag. „Meine“ Nonne (die mich eingeladen hatte) brachte ihren Besuch und mich zum Flughafen nach Skavsta. Dort erwartete uns noch Spaß mit Ryanair, denn wegen des Streiks in Spanien verzögerten sich der Palma-Flug und daher der Düsseldorf-(Besuch-)Flug und auch mein Bremen-Flug. So kamen wir in den Genuss eines Falafelburgers bei MAX, in den zweifelhaften „Genuss“ eines Auffahrunfalls (wir waren Opfer, nicht Täter) sowie zu der Gelegenheit, den Flughafen genauer anzusehen (okay, der ist nicht so spektakulär).

Als ich dann endlich Stunden später im Flieger saß (ganz so schlimm war es nicht, eigentlich ganz okay), wurden die Passagiere ein paar mal durchgezählt, dann hieß es: „Wollen hier wirklich alle nach Bremen? Wir fliegen nach Bremen!“, zwei Passagiere wurden noch namentlich aufgerufen und wenig später ging es endlich Richtung Heimat. Ich machte noch eine nette Flugbekanntschaft, hatte schließlich meinen Koffer wieder und traf dann meinen Vater, der mich abholte. Durch den schönsten Regen ging es dann nach Hause.

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