Über das Zividasein eines Ökos*.

Standard

*Genauer gesagt ist besagter Öko eine Ökosine und daher definitiv KEIN Zivi. Auch kein Zivi-Ersatz. Weder ein guter noch ein schlechter. Auch kein mittelmäßiger. Bitte. Danke.

Nun aber zur Sache.

Ich, meines Zeichens Öko, bin in dieser Woche zum Zivi-Dienst verdammt. Nun, verdammt heißt in diesem Fall, dass ich mir die Woche aussuchen durfte. Ein gewisser psychologischer Druck wurde jedoch dadurch ausgeübt, dass meine geschätzte Öko-Kollegin schon mehrfach eben diesen Dienst hinter sich hatte und ich auch endlich mal ran musste.

Heute ist schon fast Sonntag, das heißt, ich bin schon fast durch. Nur noch der Sonntag und die Nacht zum Montag, dann darf ich das Feld wieder räumen und mich meinem Öko-Dasein hingeben: Kaffee trinken und Rumsitzen – soweit das Klischeebild, das die Zivis von uns haben. Tatsächlich haut der Montag dann wieder richtig rein, etwa 250 Kinner wollen bespaßt werden, meine Aufgabe: Lagerfeuer und Stockbrot, yay. Mal schaun, ob ich dazu in der Lage sein werde. Dienstag dann vormittags Kreatives (nee, nicht selbst, sondern ’ne Klasse unter Anleitung) und nachmittags die Koch-Kinder. Puh. Mittwoch Seminar. Doppel-puh. Zug fahren, den ganzen Tag unterwegs… hm. Donnerstag und Freitag kommen unsere Nachfolger… soso. Also die Bewerber. Freitag haben wir aber frei. Und Donnerstag „nur“ die andere AG. Okay… die Woche überstehen wir auch noch.

Also. Back to topic. Meine Zivi-Woche.

Tagsüber war ich Öko. Aber sowas von. Erst, wenn niemand mehr in der Verwaltung war, dann war ich da, beantwortete das Telefon (verwies normalerweise auf die Verwaltungszeiten). Ich gab Zimmerschlüssel aus, verlieh Fahrräder, spielte Wegweiser, Nachrichtenübermittler, Kopierdienst… was man sich eben so vorstellen kann. Manchmal war ich dabei allein, nur in Gesellschaft eines Computers, aber oft hatte ich auch nette Gesellschaft. Meine liebe Öko-Kollegin, die mir den Dienstalltag nahebrachte, den Hausmeister (den ich bei jeder Frage oder so anrufen konnte und kann), andere Zivis (in Verlängerung), die entweder nur eben (’ne Viertelstunde) Tschüss-Sagen kamen, oder sich den Nachmittag vertrieben. Das war besonders nett. Ich weiß nicht, was ich ohne den superlieben Zivi-Kollegen angefangen hätte, wie es mir dann nun ginge und überhaupt. Danke, falls du das hier liest. Danke allein reicht nicht aus um zu beschreiben, wie gut es für mich war und ist, dass du da warst und bist. 🙂
Nach dem Abendessen war der erste Rundgang dran: Einmal durch alle Häuser, wo der Raum nicht mehr genutzt wird:  Licht aus, Heizung aus (ja, tatsächlich ist da mal die eine oder andere an), PCs aus, Fenster zu, Nachtlicht an wo nötig, Türen zu. Wenn man dann einmal rum war, hatte man erst mal Freizeit bis um zehn. Dann musste man die eventuell noch rumturnende Gäste bitten die Fenster zu schließen, falls sie noch welche öffnen… Mein lieber Zivi-Kollege ist mitgelaufen, mindestens die halbe Strecke, ich glaube jedes Mal. Sonst hätte ich wahrscheinlich auch viele Sachen einfach nicht gefunden. Und ich hatte ein deutlich besseres Gefühl dabei. In der Woche durfte ich dann bis neun im Zivi-Zimmer bleiben, dann frühstücken und dann meiner Öko-Arbeit nachgehen (vorher natürlich Lagebericht an den Hausmeister). Am Wochenende lief es ein bisschen anders: Morgens oder am Vormittag müssen in allen Häusern die Getränke aufgefüllt werden – von mir, natürlich. Außerdem kann es vorkommen, dass Gruppen zu einer Tagesveranstaltung kommen, die bekommen ein Schild an die Straße, das sie zum jeweiligen Seminarraum führt. Außerdem müssen die jeweiligen Schlüssel ausgegeben werden. Bis um neun sollte man gefrühstückt haben. Ich hab heute zunächst in einem Haus die Getränke aufgefüllt, dann gefrühstückt und dann mit der lieben Unterstützung des  schon bekannten Kollegen die anderen Häuser versorgt. Ohne ihn wär ich aufgeschmissen gewesen. Total übermüdet und dann noch ohne Zivi-Kräfte… geht mal gar nicht. Okay, weiter am Tag: Da gibt es vielleicht Anreisen oder Abreisen, auch Abrechnungen sind möglich. Ich hatte heute das Glück, dass die eine Abreise alle ihre Getränke mit auf die Gesamtrechnung haben wollte, also musste ich nur die Liste an ihren Platz hängen und die Schlüssel kontrollieren. Irgendwann gibt es dann Mittagessen. Vorher kann man eventuell noch was für die Küche oder sonst wen besorgen müssen… oder, wie in meinem Fall heute, Wäsche und Müll aus einem Haus abholen müssen. Nach dem Mittag muss bis halb drei der Kuchen in die entsprechenden Häuser gebracht worden sein. Wir hatten heute auch noch eine Lieferung Äpfel sowie einige Kisten mit Kräutern, die auch noch ihren Platz wechseln sollten. Gemeinsam mit meinem Kollegen ging das recht schnell. Danach wollten dann nur noch Leute Schlüssel und Listen abgeben, Kopien haben, ein paar Fahrräder bekommen, wissen wie der Fernseher geht… aber sonst war es ruhig. Daher konnten wir unseren Nachmittag genießen, kickern, reden, Spaß haben, uns austauschen… das war richtig schön. 🙂 Einzig das Telefon musste erreichbar sein. Und um halb sechs musste der Grill an, glücklicherweise nicht durch mich, sondern durch den lieben Kollegen, den ich aber selbstverständlich begleitete. Dann Abendessen… Rundgang, dann gemeinsam den Abend verbringen mit Musik… und allen Themen, die uns so einfielen. Um 10 dann der zweite Rundgang, halb mit ihm, halb allein. Fast alles ruhig, einige gucken den ESC, einige feiern. Draußen schreien Kinder nach Eis, womöglich ein Geburtstag mit Nachtwanderung… Morgen gibt es Eis zum Nachtisch. Vielleicht schreib ich dann noch mehr. Oder irgendwann später. Das langt fürs Erste. Ich schließe mit der Erkenntnis, dass eine Ökosine eben kein Zivi ist und ihn auch nicht ersetzen kann (ich weiß, das steht oben auch schon), halte fest, dass ich mich zeitweise SEHR unwohl gefühlt habe, manchmal das Zivi-Dasein aber auch genossen habe, zum Beispiel im netten Umgang mit den Gästen, dass Wäschewannen und Getränkekisten mir definitiv zu schwer sind…  … und mit einem riesigen Dank an den besten Kollegen (männlich, da die beste Kollegin meine Mit-Ökosine ist!!): Danke. ♥

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