Familie.

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Was ist Familie? Gute Frage. Nicht nur die Medien vermitteln ein deutliches Bild. Bilderbuchfamilie. Harmonie, Zusammenhalt, Gemeinschaftsgefühl – und der Gedanke, dass es früher irgendwie besser war. Dieser Familienmythos ist trügerisch und führt unter anderem dazu, dass Gewalt in Familien oft erst sehr spät erkannt wird. Schließlich wird von der harmonischen Familie ausgegangen, da passiert doch nicht etwa…

Was Familie ist, hat sich in der andauernden Moderne gewandelt. Beginnen wir etwa um 1800, denn da beginnt sich ein neuer Familientypus herauszubilden, die „bürgerliche Kernfamilie“. Die Industrialisierung schreitet voran und die Familie ist nicht länger eine Produktionseinheit, sondern vielmehr eine Konsumeinheit. Landwirtschaftliche Betriebe nehmen ab, Fabrikarbeit nimmt zu, was zu einer Trennung von Familie und Erwerbsarbeit führt; galt zuvor, wer unter einem Dach lebte, gehörte zur Familie, wurde nun strikter getrennt: Familie, das waren die Eltern mit ihren Kindern. Die Erwerbsarbeit wird hauptsächlich vom Mann ausgeführt; für Frauen und Kinder gibt es ein Moratorium. Kindererziehung wird wichtiger. Zudem kommt es zu einer Neusortierung der „Liebesbeziehung“ – Heiraten finden nicht mehr hauptsächlich nach dem Aspekt der Funktionalität und Brauchbarkeit der Partner statt, sondern aus Liebe, es wird auf Emotionalität und Individualität geachtet. Mit diesen Neuordnungen ging eine Trennung und Zuordnung von Mann und Frau einher. Der Mann steht in der Öffentlichkeit; zu ihm gehören Aktivität, Arbeit, Rationalität, Stärke, Geben…Die Frau ist im Privaten, in der Familie; zu ihr gehört Passivität, Schwäche, Emotionalität, Empfangen…

Bis ins 21. Jahrhundert wandeln sich diese Rollenvorstellungen glücklicherweise. Aber auch die Vorstellung von Familie wandelt sich.

Rosemarie Nave-Herz sagt, dass Familie nicht unbedingt von der Ehe abhängt; Familie ist da, wo Kinder sind. Sie nennt drei Faktoren, die Familie ausmachen:

  1. Reproduktion und Sozialisation
  2. Kooperation und Solidarität
  3. Generationendifferenz

Somit muss nicht zwangsläufig eine Ehe oder Partnerschaft bestehen, damit eine Familie besteht. Zählt man nach, kommt man mit dieser Definition auf mindestens 16 verschiedene Familienformen, beispielsweise die Normalfamilie, Alleinerziehermodell, Patchworkfamilie, Regenbogenfamilie…

Das Normalfamilienmodell scheint ein Auslaufmodell zu sein. Gut, laut Worldvision-Kinderstudie leben 2010 71% aller Kinder in einer Normalfamilie, aber es gibt eben auch immer mehr andere Formen, pluralisierte Familienformen. Das kommt durch höhere Bildungsabschlüsse und dadurch Erwerbstätigkeitsmöglichkeiten für Frauen, die das männlicher-Alleinernährer-Modell ablösen; Frauen sind nicht mehr auf Männer angewiesen, können eigenständig leben.

  • Doing Family.
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