Irgendwas…

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Irgendetwas fehlt.

Ich weiß nicht was es ist. Ich weiß nur, dass irgendetwas fehlt.

Ich habe nicht zu wenig getrunken – okay, zugegeben auch nicht übermäßig viel, aber eben nicht zu wenig. Das ist es also nicht. …und nachdem ich jetzt nochmal eben in der Küche war und ein Glas Wasser getrunken hab, kann es das erst recht nicht mehr sein.

Ich habe vielleicht nicht genug gegessen. Spät aufstehen, nicht kochen, immerhin die selbstgebackenen Vollkornquarkbrötchen von gestern und Joghurt-Müsli zum Essen da. Morgen wird wieder gekocht und wenn es nur Nudeln mit Pesto werden.

Ich war draußen, also zumindest für den Weg zum Bioladen für den Seminareinkauf für nächste Woche und für den Weg zur Uni-Bib. Ich habe mit Menschen gesprochen, ein paar freundliche Worte mit den Kassierern und dem Mädel an der Ausleihtheke. Ein bisschen mehr habe ich mit dem netten Herrn an der Bib-Info gesprochen, der mir freundlicherweise die Chor-Noten nochmal kostenlos gedruckt hat, die mir der Uni-Kopierer leider mit Buchstabenkolonnen übersäht ausgespuckt hatte. Okay, das ist nicht so viel. Dazu kommen ein paar nicht wirklich Gespräch nennbare Austausche via facebook und skype. Eine E-Mail-Konversation, bestehend aus ihrerMail-meinerAntwort-ihrerMail, scheint mehr zählen zu können. Sozialer Austausch sieht anders aus.

Ich habe an meiner Hausarbeit geschrieben und kann tatsächlich einen Fortschritt verbuchen. Nicht zuletzt hat ein Musiktipp dazu beigetragen. Die Musik begleitet mich durch den Tag, in die Nacht, seit gestern schon. Nils Frahm, auf dem Klavier improvisierend – wundervoll.

Ich habe ein wenig aufgeräumt. Staubsaugen hätte ich wollen – das kommt dann morgen. Was hatte ich noch vor? Gestern Abend vorm Schlafen aufgeschrieben habe ich:

  • Bioladen ✔
  • Wäsche waschen – hab noch nicht geschaut ob sich das schon lohnt oder überhaupt muss vor der Seminarwoche
  • Uni, Drucken+Bib ✔
  • Brötchen probieren, Aufstrich machen ✔ + nein. Rezept verlegt…morgen telefonisch erfragen.
  • Aufräumen und Staubsaugen ✔ + morgen.
  • ansonsten: überleben ✔ und Hausarbeit ✔. Kraft sammeln und Mut… :/

Ja…Kraft sammeln und Mut. Der heutige Tag hat wieder viel Kraft gekostet. Deshalb gehe ich gleich ins Bett. Aber frustriert ins Bett zu gehen hat sich bisher nur dann als sinnvoll erwiesen, wenn ich richtig, richtig müde war. Und das bin ich noch nicht.

Mir ist kalt, ich fühle mich nicht wohl. Im Hintergrund läuft immer noch, immer wieder Nils Frahm. Jetzt gerade ertrage ich es fast nicht, dabei hat es mich durch den Tag getragen, mich motiviert, mich fokussieren lassen.

Mir fehlen echte, ehrliche Konversationen. Gespräche mit Inhalt, Gespräche, die durch Nähe entstehen und die Nähe entstehen lassen. Gespräche mit Freunden, mit nahen Menschen. Austausch.

Ich fühle mich verspannt und weiß warum: Ich habe gerade viele Anknüpfungspunkte, die weit von einander entfernt sind, die vielleicht sogar auseinandertreiben, an denen ich aber festhalte oder an die ich gebunden bin. Ich versuche ihnen gerecht zu werden, versuche die Bindung aufrecht zu erhalten, versuche etwas daraus zu machen. Ich kann nicht in alle gleichzeitig investieren, das will ich auch gar nicht. Doch wenn ich in eine Bindung investiere, kostet es mich vielleicht eine andere, mir wertvolle Bindung. Und wenn ich eine Bindung zu lösen versuche, bringt es das System ins Wanken und es fällt mir schwer jetzt, vorher, abzuschätzen, welche Lösung zu einem positiven und welche zu einem negativen Ergebnis führt – gibt es nur schwarz und weiß? Das ist rhetorisch gefragt, natürlich.

Alles machen wollen, nichts schaffen können, hohe Ansprüche haben, immer wieder scheitern. Dabei könnte es so einfach sein: Wenig schaffen wollen und moderate Ziele setzen, diese erreichen, zufrieden sein. So bin ich nicht. Ich strebe nach Perfektion, nach dem großen Ganzen, nach…dem Wahren, Schönen, Guten. Loszulassen fällt mir schwer, vor allem, wenn es noch nicht fertig, noch nicht perfekt oder gänzlich verloren ist. Und selbst wenn es gänzlich verloren scheint, habe ich meist noch den Anspruch ihm noch eine Chance zu geben.

Jetzt wird es konfus, da kann auch der gute Nils nicht helfen, dessen Improvisation gerade zum gefühlt 100. Mal neu durchläuft. Wenn ich rechnen könnte, dann würde ich jetzt schreiben, dass das gar nicht sein kann, weil ich nicht die letzten 33 Stunden immer wieder dem Nils beim Improvisieren zugehört hab, sondern geschlafen hab, unterwegs war, andere Musik gehört und selbst gemacht hab… aber ich kann nicht wirklich gut rechnen, deshalb lass es es dabei.

Ich möchte mit Menschen reden. Generell, aber auch mit bestimmten.

Es gibt einen Menschen, dem ich gerne erzählen würde, wie ich ihn finde, und von dem ich gerne wissen würde, wie er das so sieht. Sich, mich, die Welt, alles darüber Hinausgehende…alles eben. Mit ihm würde ich gern über Gott und die Welt reden, genau so. Einfach. Am besten jetzt, am besten immer. Ich kenn ihn noch nicht lang, aber er ist mir so vertraut, dass ich mir mehr Nähe wünsche als momentan möglich ist. Aber wir wohnen räumlich deutlich voneinander getrennt und die kleinen schriftlichen Nachrichten, auf unterschiedlichen Kanälen ausgetauscht, und die wenigen (Video-)Telefonate können keine Gesprächsnähe erzeugen wie ich sie mir jetzt wünsche. Ich schreibe mehr als ich ihm zeige – aber so richtig hilft das nicht.

Es gibt noch einen Menschen, dem ich gerne erzählen würde, wie ich ihn finde, und von dem ich gerne wissen würde, wie er das so sieht. Aber hier verhält es sich ganz anders: Ich wünsche mir diese Nähe so sehr, dass ich nicht wage es anzugehen, weil ich so gern davon träume. Wenn wir uns nicht sehen, rückt der Wunsch nach Realität ohnehin in den Hintergrund. Aber wenn wir uns sehen, dann möchte ich es doch realisieren. Wenn die Lage nur nicht so verzwickt wäre, wenn ich wüsste, wie es um meine Chancen steht, wenn dieser Mensch doch nur ein wenig zugänglicher wäre, wenn nicht unser beider Umfeld mich so sehr beeinflussen würde mit seiner Macht, die es auf mich ausübt (Wissen ist Macht, Wissen über Zwischenmenschliches ist manchmal brisant)…

Dann gibt es den Menschen, mit dem ich so gern geredet habe, der aber so weit weg ist, räumlich, zeitlich… Entfernungen finde ich anstrengend. Ich hätte gern Nachricht, aber das habe ich mehr als einmal wie ich finde deutlich formuliert. Ein weiteres Mal warte ich ab, schaue was passiert. Dieses Mal war ich hoffentlich unmissverständlich deutlich. Oder? Ach…wer weiß. Nach einer solch langen Zeit des Wartens bin ich dessen müde geworden. Ein Rest Hoffnung ist da, natürlich, das ist mein Anspruch an eine Chance für das scheinbar Hoffnungslose, wie ich oben schon sagte. Ansonsten nehme ich hin, was da so kommt.

Es gibt noch mehr Menschen in meinem Leben, über die jetzt etwas zu sagen wäre. Aber ich belasse es dabei, für jetzt, und gehe ins Bett. Schließlich muss ich – mittlerweile heute – nach der Nacht in der Lage sein zu beurteilen ob ich noch Wäsche waschen muss, ob meine FSJler Nuss-Nougat-Creme selber herstellen können, muss staubsaugen und noch weiter aufräumen und sollte vielleicht schon mal zumindest ansatzweise übers Packen nachdenken. Nicht dass das Sonntag wieder in Stress ausartet (wird es sowieso wieder irgendwie, es ist Packen). Ich schreibe nur noch ein paar Nachrichten, damit vielleicht Konversationen daraus werden, wenn auch zeitversetzte…und dann ist wirklich Ende für heute. Verzweiflung? Nur vielleicht.

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