Einfluss.

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Ich. Der Versuch eines Bildes.

Ich leuchte von innen. Ich verbinde mich mit der Welt. Aber da sind viele Einflüsse von außen. Sie treffen mich, beeinflussen mich. Ich schirme mich ab, ich vermeide sie oder gehe ihnen bewusst entgegen und mit ihnen um. Das ist anstrengend, schwierig. Letzteres kann ich nur mit einigen. Einflüsse, die ich nicht abweisen kann und denen ich nicht bewusst begegne und sie direkt anders verarbeite, setzen sich fest. Sie verändern ihre und meine Struktur. Es entsteht eine Schicht um mich herum, eine Art Panzer. Eine Schutzschicht ist gar nicht so schlecht, so grundsätzlich. Weitere Einflüsse können an ihr abprallen… Doch so einfach ist das nicht. Denn das Problem mit diesem Panzer aus schwierigen äußeren Einflüssen ist, dass er hart und undurchlässig ist für die Nähe und Liebe und Wärme, die ich brauche und die mich von außen nach innen erreichen wollen und sollen. Nur selten schaffen sie es durch den Panzer, sie kratzen an der Oberfläche, manchmal kommen sie hindurch. Negative Einflüsse hingegen legen sich wie eine weitere Schicht Lack über die schon vorhandenen Panzerelemente, sie docken einfach an. Der Panzer wird dicker. So werde ich ihn nur schwer wieder los, allein ist das für mich kaum zu schaffen.

Was hilft? Andere Ein- und Ausflüsse können helfen. Von innen heraus ist es die Musik, die den Panzer durchdringt und Teile davon mitreißt. Wenn ich mir die Gitarre nehme, kann ich am Panzer rütteln. Auch Schreiben ist hilfreich, auch das ist Output, der durch den Panzer dringt. Ihn von außen abzulösen, ist besser, denn es ist einfacher. Die unteren Schichten sind schon verhärtet und manchmal weiß ich von innen auch gar nicht, wie viele Schichten da eigentlich auf mir lasten, wie viel es zu durchdringen gilt. Von außen helfen Liebe und Nähe und Wärme. Andere Menschen also, die mich berühren, mit guter körperlicher Nähe oder auf andere Weise. Sie durchdringen den Panzer, lösen ihn ab und auf. Zurück bleibt zunächst eine wunde Stelle, so wie wenn eine Hautkruste zu früh abgelöst wird; die neue Haut darunter bietet noch sehr wenig Schutz, ist sehr empfindlich.

Ich brauche meinen Panzer als Schutz vor der Welt, als Schutz vor den äußeren Einflüssen, die mich irritieren, die mir Kraft rauben und an meinen Nerven zehren. Schutz vor dem Schmerzen erzeugenden Lärm, Abschirmung gegen negative Gefühle anderer Menschen, die ich sonst allzu oft in mir aufnehme. Aber ich brauche einen Panzer oder vielmehr eine Schutzhülle, die Liebe, Nähe und Wärme durchlässt. Die Panzerteile, die aus anstrengenden Außeneinflüssen um mich herum entstanden sind, lassen das nicht zu. Sie müssen abgelöst werden, abgelöst, also entfernt von mir und abgelöst, also ersetzt von anderen, besseren Schutzelementen. Das ist mit Kraftaufwand verbunden, manchmal gelingt es nur durch Nähe zu anderen Menschen. Diese Nähe gibt mir Kraft, sie lässt mich mich spüren. Ich finde wieder eine bessere Verbindung zu mir selbst, kann mein Innen und mein Außen miteinander in Gleichklang bringen – und mich und die Welt außerhalb von mir ebenso. Ich komme zur Ruhe, in der Berührung eines lieben, nahen Menschen finde ich so viel, was mir gut tut. Aber diese Nähe ist auch gefährlich, denn sie lässt zu, dass ich mich wieder öffne und verwundbarer bin. Der Nähe gebende Mensch wird dadurch, dass er mich berührt, zu einem Teil von mir, zu einem Teil des Panzers. Er weicht diesen auf und schützt mich gleichzeitig. Wenn dieser Mensch nun aber geht, bleibe ich mit offenen Stellen zurück, geschwächt, verwundbar.

Darum bitte ich dich nicht nur um deine Nähe, nicht nur um deine Berührungen. Ich bitte dich: Sei bei mir, neben mir, an mir, mit mir. Mir nah. Und ich möchte sein, einfach nur sein. Vielleicht in deinem Arm, auf jeden Fall in deinem Bewusstsein, in deinem Orbit, in deinem Blick. Dann öffne ich mich und du hilfst mir dabei, auf eine spezielle Weise. Ich möchte deine Nähe dafür haben und ich möchte sie geschenkt bekommen. Danach kann ich vielleicht, vielleicht sogar bestimmt etwas zurückgeben, aber auf einer anderen Ebene. Denn die Ebene, auf der ich deine Nähe möchte und brauche, ist speziell. Schenk mir deine Nähe, deine Wärme. Das gibt mir Energie und Zuversicht, damit ich meinen Panzer in deiner Gegenwart ablegen kann. Sei mir nah, damit ich mich sicher und beschützt fühle. Und bleib bei mir, damit ich mich nicht durch diese neuen Löcher verliere. Halte deine Hand schützend über die sich neu bildende Schutzschicht und hilf mir, einen durchlässigen und schützenden Mantel anzulegen. Und dann, wenn mein Mantel schützt, sei mit mir und erfreue dich an meinem Leuchten, das durch diesen durchlässigen Mantel auch nach außen dringen kann, zu dir und in die Welt. Dann leuchte ich für dich, für dich und mich und alle.

Zu diesem Bild mit dem inneren Leuchten und den Schichten passt ein Satz, den ich im Juli aufschrieb und kürzlich wiederfand: Ganz grundsätzlich und tief in mir drin bin ich glücklich. Dieser Satz war Teil meiner langen Antwort auf die Frage, ob ich unglücklich sei. Also: Ganz grundsätzlich und tief in mir drin bin ich glücklich. Da leuchte ich. Nur ist es oft nicht zu sehen unter all diesen Schichten von Kram und Zeug und Dreck (und Lack). Manchmal ist es so versteckt, dass ich es selbst vergesse, weil ich es nicht mehr sehen kann. Dann brauche ich eine Erinnerung, einen Anstoß von außen, eine Berührung, die ein Fenster schafft. Gern von dir.

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