(Gem)einsam Schlafen.

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Ich mag mein Bett, und das nicht nur, um darin zu schlafen. Schon in der Schulzeit habe ich auf meinem Bett gelernt (noch lieber jedoch auf dem Teppich davor). Es diente mir auch als Sofa, als Sitzgelegenheit allein oder mit Freunden, als Leseplatz, ob Tag oder Nacht, für die spannendsten und besten Bücher. Jonglieren habe ich vor dem Bett stehend gelernt – damit ich mich nicht ganz runter bücken musste, um die Bälle wieder aufzuheben. Gitarre spielen, träumen, denken…

Am Uni-Ort lebte ich zunächst in einem kleinen Wohnheimzimmerchen. Da konnte ich entweder am Schreibtisch sitzen oder eben auf dem Bett. Also saß, aß, las… lernte, schrieb, träumte, musizierte – lebte ich auf diesem Bett. Es war der Ort, an dem ich Filme sah und dadurch mein Schwedisch aufbesserte; der Ort, an dem manch eine Vorlesung durchgesprochen wurde. Es war auch der Ort, den ich mir manche Nacht mit einem Menschen teilte, dabei war dieses Bett ein einfaches 90x200er und auch nicht besonders komfortabel ausgestattet. Wohnheim halt. Manchmal wurde die Matratze dann doch lieber auf den Boden gelegt…das passte dann gerade so. Nach einem Umzug hatte ich dann (wieder) ein Bett, das mit einem Ausmaß von 140x200cm mehr Raum bot. Dass ich in den ersten Nächten in der neuen Wohnung keine Matratze hatte, wurde mit einer Isomatte auf dem Lattenrost überbrückt. Ging auch. Mit der Matratze, die ich jetzt habe, ist mein Bett aber noch viel besser. 🙂 Weiterhin nutze ich es zu verschiedenen Zwecken. Wenn ich meine Reisetasche packe, liegen die Klamotten und alles andere Mitzunehmende vorher ordentlich gestapelt darauf, damit ich es überblicken kann. Wenn ich mein Zimmer aufräume, ist es ähnlich: erst mal auf dem Bett sortieren, wenn die Sachen nicht sofort an ihren Stammplatz gebracht werden können. So ist das Staubsaugen auch viel besser zu erledigen. Auf meinem Bett wurden schon gemeinschaftlich Seminare geplant und Krisengespräche geführt, mittlerweile viele weitere Bücher gelesen, Filme und Serien gesehen, Lieder geschrieben und gespielt, Hausarbeiten geschrieben und Referate ausgearbeitet. Ich habe es Menschen überlassen, die zum Übernachten kamen, ganz verschiedenen. Und ich habe es selbst mit Menschen geteilt, auf verschiedene Weisen.

Eine besonders witzige Szene ist sogar in bewegten Bildern festgehalten, denn das war der Zweck der Aktion. Für eine Seminararbeit konzipierten und drehten wir in der WG einen Film, bei dem in einer Szene die Protagonisten miteinander ins Bett gehen. Dass wir das im richtigen Leben niemalsnicht tun würden, macht es für Eingeweihte umso witziger. Die Seminararbeit war ein voller Erfolg – und wir hatten Spaß. 😀

Allzu sehr ins Detail gehen werde ich bei den anderen Bettgeschichten nun nicht, das ist mir dann doch zu privat. Doch grundsätzlich gibt es erkennbare Muster, die möchte ich notieren:

♦ Ich teile mein Bett mit dir, um zu reden. Wir sitzen oder liegen darauf, sehen uns an, reden oder schweigen. Mal berühren wir uns, mal nicht. Ganz entspannt.

♠ Ich teile mein Bett mit dir, um dir nah zu sein. Wir kuscheln, reden dabei auch oder schweigen. Vielleicht küssen wir uns. Oder necken, kitzeln, ärgern uns gegenseitig ein bisschen, nur um uns danach noch enger zu umarmen.

♣ Ich teile mein Bett mit dir, um mit dir zu schlafen. Sex im Bett – spießig? Eher der Ausdruck von Gemütlichkeit, wohliger Wärme und Weichheit, Kuscheligkeit, Nähe und Entspannung. Da kann es zugehen, wie es will und wie wir wollen, die Grundentspanntheit ist schon vorgegeben. 🙂

♥ Ich teile mein Bett mit dir, um mit dir zu schlafen. Nachts. Denn normalerweise schlafe ich nachts, oder gern auch mal bis in den Vormittag. Dabei geht es mir darum, dass ich abends nicht allein ins Bett gehen muss, dass ich nicht allein das Licht löschen und im kühlen Bett allein in der Dunkelheit liegend den Geräuschen der nächtlichen Stadt oder der Nachbarn lauschen muss. Es geht mir darum, dass ich nicht allein mit meinen Gedanken bin, wenn ich einzuschlafen versuche, und dass ich nicht allein bin, wenn ich nachts aufwache. Denn dann bist du da und ich kann mich an dich kuscheln und deine Nähe beruhigt meinen Kopf und mein klopfendes Herz. Ich fühle mich sicher und geborgen. Und am nächsten Morgen bist du da und ich drifte nicht ab in Gedankenströme, sondern sehe dich an und du sprichst mit mir (nur nicht zu viel! aber das weißt du wohl…) und wir werden gemeinsam wach. Gemeinsam schlafen – das tut gut.

◊ Ich teile mein Bett nicht mit dir, wenn ich mich wiederfinden muss. Wenn um mich herum alles laut und viel ist, sodass ich mich selbst nicht mehr spüren kann, dann brauche ich nachts die Einsamkeit. Dann gehört es dazu, dass ich mit einem Kopf voller Gedankenverwirrungen und einer aufgerüttelten Seele ins Bett taumle, dass ich mir etwas Wärme in Form des Kirschkernkissens mitnehme und dass ich mich hin und her drehe, bis ich endlich schlafe. Dann gehört es dazu, dass ich entweder nachts hochschrecke oder aber dass ich die ganze Nacht so tief schlafe, dass ich gar nichts mehr mitbekomme. Am nächsten Morgen überfordert mich der Wecker, ich bleibe liegen und denke weiter. Oder ich bin froh, dass die wilden Träume vorbei sind und stehe auf, um die Reste davon mit Tee zu vertreiben. Ja, deine Nähe würde helfen, in solch wilden Nächten. Aber sie ist mir zu viel. Vielleicht könntest du neben mir schlafen, sodass ich weiß und spüre, dass ich nicht allein bin, dass ich bei Bedarf zu dir hinüber rutschen kann, um in deinem Arm zur Ruhe zu kommen. Oder um deine Hand zu halten. Oder dich ganz sacht am Arm zu berühren. Oder dich nur anzusehen. Denn manchmal ist das schon genug oder auch noch zu viel. Diese Bedürfnisse zu erspüren und dann auch noch zu kommunizieren, fällt mir jedoch immer noch sehr schwer. Darum ziehe ich mich zurück, wenn es mir in mir und um mich herum zu viel wird, darum suche ich dann keine Nähe. Ich teile mein Bett dann nicht mit dir, sondern schlafe einsam.

Ich wünsche mir mehr Nähe, wünsche mir mehr gemeinsame Nächte – Nächte, in denen liebe Menschen einander nah sind und für einander da sind. Gespräche, Nähe, gemeinsamer Schlaf, am Morgen danach gemeinsames Aufwachen und vielleicht ein Frühstück – Frühstück ist allerdings nicht meine favorisierte Mahlzeit…aber mit einem lieben Menschen zusammen geht das schon.

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  1. Betten können so viel mehr als Schlaf bieten. Ich habe mal in einer WG gewohnt, in der sich fast das gesamte gemeinschaftliche Leben auf das Bett eines Mitbewohners konzentriert hat, ohne dass das jemals etwas mit Nachtschlaf und/oder Sex zu tun hatte. Erst saßen wir da oft zusammen vorm Fernseher, irgendwann haben die beiden Mitbewohnerinnen bei ihm Mittagsschlaf gehalten, Erkältungen oder Liebeskummer auskuriert, eine hat zum Schluss 80% ihrer Bachelorarbeit mit dem Laptop in seinem Bett geschrieben… Tolle Zeiten. Auch wenn ich sagen muss, dass mir das für mein eigenes Bett doch zu viel Unruhe wäre.
    Und jetzt nehm ich mir erstmal eins von diesen Plätzchen. 😉

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