2016.

Standard

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein paar Stunden noch verbleiben wir mit der Jahreszahl 2016, dann beginnt ein neuer Tag und mit ihm ein neues Jahr. Ändert das was, abgesehen von der letzten Ziffer des Datums? Vielleicht. Ändert es etwas zum Guten, zum Besseren oder vielleicht auch zum Schlechteren? Das wird sich zeigen. Ich hoffe auf gute Wendungen. Auf das Verbleiben von Gutem. Und auf positiven Verlauf und Ausgang nicht so guter Dinge.

Was bleibt in diesen Stunden zu tun? Jahresabschluss. Nochmal duschen, aufräumen, Sachen durchdenken. Das hab ich zum Teil heute schon gemacht. Und hier…hier folgt nun ein Jahresrückblick. Oder Silverstervoodoo. Oder sowas in der Art. Die Idee und daher auch die Fragen sind von Judith, ich habe das Ganze jedoch für meine Zwecke hier angepasst. Ich werde also nach dem Niederschreiben nicht den Laptop in den Fluss am Waldrand werfen oder ihn verbrennen (und hoffe sehr, dass er sich da nicht selbstständig macht).
Also. Ein Blick zurück in dieses Jahr, ein Blick auf mich und Dinge.

Was waren die Volltreffer des vergangenen Jahres, was die unerwarteten Glücksfälle? Was waren die Überraschungen, die Geschenke? Was habe ICH mir geschenkt? Womit hab ich mir NICHTS geschenkt? Was habe ich gelernt? Was habe ich an Erfreulichem in die Welt gesetzt? Was habe ich kennengelernt, was hat mich gefunden?

Und: was waren die Schwierigkeiten? Was tut noch weh? Was will losgelassen und verziehen und weichgeliebt werden? Was muss mitkommen ins neue Jahr und noch ein paar sanfte Runden drehen?

…aus dem Blog von Judith Holofernes.

Nun heißt es also: Erinnere dich an dieses Jahr, an seinen Verlauf und seine Ereignisse, die große wie die kleinen. Was ist passiert? Gebloggt habe ich wenig, das ist eher überschaubar. Es ist viel passiert, das mich im „echten“ Leben so beschäftigt hat, dass ich es nicht verbloggen konnte. Ich habe Tagebuch auf Papier geschrieben, einfach nur in mir drin nachgedacht, mit Menschen geredet. Und Lieder geschrieben, wenn sie kamen.

Das Jahr begann mit Altlasten, das Studium war stressig, das Leben anstrengend. Zwischenmenschlichkeiten wollten bearbeitet und geklärt werden. Ich war auf der Suche nach so Vielem, fand unterwegs so einige Ideen, Gefühle und Dinge. Viel blieb auf der Strecke, nicht nur am Anfang, sondern auch im weiteren Verlauf des Jahres. Ich hätte gern mehr Kontakt gehalten, Menschen eine Freude gemacht, mich gemeldet, Menschen besucht. Da ging ganz viel unter oder ging einfach so nicht. Was ich gemacht habe: Urlaub. Da war ein Städtetrip nach Den Haag und Amsterdam, der jedoch davon überschattet wurde, dass wir überlegt hatten, dass er auch nach Brüssel hätte gehen können, wo dann aber zu genau der Zeit schlimme Dinge geschahen. Wir hatten Glück. Im Sommer fuhr ich gleich zwei Mal nach Schweden, ein Mal mit der Bahn für ein verlängertes Wochenende und einen lieben Besuch, ein zweites Mal mit Freund*innen und einem Auto für zwei wunderbare Wochen herrlichen Urlaubs. Ich war zum Tee bei einem 1. Hochzeitstag von Freunden eingeladen. Im Sommer war eine wundervolle Hochzeit inmitten von Obstwiesen, an einem sehr verrückten Wochenende. Im Spätsommer war eine weitere wundervolle Hochzeit, die mit einer Reise nach England verbunden war. Einige Freund*innen habe ich in diesem Jahr dann doch getroffen, in der Heimat, bei ihnen oder bei mir. Und viel viel mehr ist passiert… Eine Sache, die nicht so richtig zu genau einem der Punkte passen will, ist das Wochenendseminar, das ich zusammen mit einer Freundin auf die Beine gestellt habe. Es beinhaltete kleinere Schwierigkeiten, aber auch Überraschungen und Glücksfälle. Ich bin zu vorsichtig, um es als Volltreffer zu bezeichnen, aber ein Treffer war es sicher. Es war gut, wir waren gut. Ein bisschen Nachbereitung wird uns noch ins kommende Jahr begleiten und das Ganze darf noch ein paar Runden drehen

Als Volltreffer des vergangenen Jahres fällt mir meine Geburtstagsfeier ein, mit lieben Freund*innen auf dem Dachboden, bei Kerzenschein mit den Werwölfen von Düsterwald. Das war einfach genau richtig. Ein Volltreffer ist auch, dass die Überlegungen zum Praktikum aufgegangen sind. Das Praktikum ist gut. Die Geschichte, die aus dem verrückten Wochenende mit der wundervollen Hochzeit hervorging, fällt teilweise unter unerwartete Glücksfälle, teilweise aber auch in negativere Kategorien. Das beschäftigt mich auch immer noch und tut weiterhin manchmal weh. Da will noch so Einiges losgelassen und verziehen werden. Andere Aspekte werden mich noch eine Weile, vielleicht auch für immer begleiten. Und das ist in Ordnung oder sogar gut so.
Überraschungen und Geschenke sind viele Erlebnisse, Ideen und Pläne, die im Praktikum entstehen. Ein Schlagwort hier ist Israel, ein anderes das Spielewochenende, ich bin gespannt, wie es mit diesen Ideen weitergeht. Ein Geschenk waren auch die vielen Stunden mit den Menschen, die mir so viel Kraft, Liebe, Aufmerksamkeit und Ruhe geben und die einfach gut zu mir sind. Was ich mir geschenkt habe: Ich habe im Sommer den (Über-)Mut gefunden, einer großen Sehnsucht nachzugeben und etwas auszuprobieren, das ich mich lange nicht getraut habe. Es war nicht nur positiv, bei weitem nicht. Aber es hat mich weit voran gebracht und beinhaltete viele wirklich wundervolle Momente. Darauf aufbauend gehe ich immer noch weiter, entwickle mich. Das ist gut. Ich habe mir außerdem manchmal Auszeiten geschenkt, die andere Menschen vielleicht nicht verstanden haben, die aber wichtig für mich waren. Nichts geschenkt habe ich mir mit einigen Aktionen, die leider auch zu der Sommergeschichte gehören. Aber vielleicht musste das auch so sein. Es tut mir jedenfalls Leid um all die Verletzungen, die ich anderen damit zugefügt habe. (Vielleicht muss ich das nochmal in Ruhe und am Stück aufschreiben.) Auch dadurch habe ich viel gelernt. Insgesamt habe ich in diesem Jahr also wahnsinnig viel über mich gelernt, darüber was ich brauche, was mir gut tut. Da möchte ich noch viel mehr lernen, aber dieses Jahr hat mich ein gutes Stück voran gebracht. Das war teilweise sehr hart, sehr anstrengend, oftmals schmerzhaft. Ich habe viel Schlaf gebraucht, viel nachgedacht, mich abgeschottet und Kontakt gesucht, mich abgelenkt und mich bewusst darauf fokussiert. Da hat dann auch das Bloggen wieder sehr geholfen. Was ich auch gelernt habe: Der Boden unter mir und der Himmel über mir sind für mich, das ist mein Raum, den mir so schnell niemand nimmt. Da bin ich sicher, dort kann ich sein und mich bewegen. Dieser Gedanke von einem lieben Menschen hat schon so manche Situation erträglicher gemacht (das will ich diesem Menschen auch noch sagen…).
Gelernt habe ich auch viel in der Uni, im Verein und im Praktikum. Praktische Dinge, Wissen, Fähigkeiten. Ausdauer, Kreativität und (Selbst- und Fremd-)Motivation wurden trainiert. Ich habe Hausarbeiten geschrieben, geforscht und ausgewertet, Inputs vorbereitet und gehalten, Kommiliton*innen, Freund*innen, Mitarbeiter*innen unterstützt und motiviert, habe Methoden und Spiele kennen gelernt und weitergegeben.

Noch eine Überraschung und ein Geschenk war das Geburtstaggeschenk einer Freundin, das zur Folge hatte, dass wir einen verrückten Tag lang unterwegs waren – per Bus nach Amsterdam, dort zu Fuß unterwegs, dann per Bus wieder zurück. Ein Tag Auszeit. Herrlich. Unglaublich anstrengend, aber wunderbar herrlich. So etwas in der Art möchte ich im nächsten Jahr wieder machen.
Was ich Erfreuliches in die Welt gesetzt habe…hmm. Ich erfreue mich selbst sehr an den Liedern, die in diesem Jahr entstanden sind, eines in Folge dieser Sommergeschichte, eines im Sommerurlaub in Schweden. Und einigen anderen Menschen hat das auch gefallen, glaub ich. 🙂 Ich habe geschafft, einigen Freund*innen im Verlauf des Jahres kleine Überraschungen und Lichtmomente zu bereiten, was auch mich sehr gefreut hat. Ich durfte unterstützen, Stütze sein, offenes Ohr und einfach nur da. Ich durfte begleiten, Sorgen anhören und zerstreuen, Glück miterleben. Dafür bin ich dankbar.

Kennen gelernt habe ich vor allem mich selbst besser. Kennen gelernt habe ich auch einen mir schon bekannten Menschen sehr intensiv. Mich gefunden, so fühlt es sich zumindest an, hat das eine oder andere Buch, Thema, mancher Film und einiges an Musik. Und an diese Stelle, also zum Kennenlernen und Gefundenwerden, passt auch diese Verbundenheit mit ein paar Menschen auf der anderen Seite von WordPress. Ich finde spannend, was hier in der letzten Zeit passiert ist, welche Resonanz ich auf meine Gedanken bekomme, dass sie überhaupt gelesen werden… Danke! Das fühlt sich gut an. 🙂

Schwierigkeiten waren also: Der anstrengende, angestrengte Start in dieses Jahr. Die vielen schrecklichen Ereignisse in der Welt, die mich sehr mitnehmen, auch wenn ich nicht unmittelbar davon betroffen bin. Das gefühlt recht hohe Arbeitspensum in der Uni. Die sich häufenden Erkältungen oder anderen Erkrankungen, die mich aber eigentlich ja nur zu mehr Auszeiten und Achtsamkeit für mich selbst ermahnen. Verliebtsein an eher ungünstigen Stellen. Stress, der sich aufstaute und Folgen hatte.

Was noch weh tut: Die Folgen der Sommergeschichte. Die Folgen vom Stress, ebenso wie der Stress selbst, insbesondere aber ein bestimmtes Ereignis an einem stressigen, menschenvollen Sonntag in einem Regionalzug…das muss im neuen Jahr weiter bearbeitet werden. Vorsichtig, Schritt für Schritt. Um dann hoffentlich losgelassen zu werden.
Loslassen und verzeihen möchte ich die Grausamkeiten in der Sommergeschichte. Loslassen möchte ich auch die Angst um die Welt, denke aber, dass sie mich weiter begleiten wird. Vielleicht lasse ich also nur die letzten Ängste los, also die ausgestandenen. Meine eigenen Ängste dürfen mich begleiten, denn sie sind nicht immer da, manchmal lassen sie mich in Ruhe, gönnen mir eine Pause. Mit ihnen werde ich mich weiter beschäftigen. Das ist in Ordnung.

Mitnehmen werde ich: Die neue Gitarre, die so wundervoll klingt und mir Motivation macht mehr zu spielen. Liebe Menschen, im Herzen und im Leben – ich stresse mich nicht mit dem mühsamen Halten von Kontakten, aber manche Kontakte lassen sich auch mit wenig Mühe halten und sind einfach so gut. Manche davon auch nach Jahren, in denen man fast nichts von sich hört. Alte Freund*innen, gute Freund*innen, allerliebste Herzensmenschen, Nähemenschen. Die nehme ich mit. Seit einiger Zeit gehört auch ein Baby dazu, mit dem ich auch im neuen Jahr viel Zeit verbringen möchte, weil ich es sehr wundervoll finde. 🙂 Und ganz ohne Druck nehme ich mir vor, eine bestimmte Familie im neuen Jahr öfter zu sehen… Die zwei schnurrenden Fellnasen (der Begriff ist ebenso so süß wie unpassend), die seit Kurzem zur WG gehören, nehme ich auch mit Freude mit in ein neues Jahr. Außerdem ein großes Vorhaben für mich, das ich mit viel Unterstützung von lieben Menschen angehen werde; es macht mir Angst, lässt mich aber auch hoffen. Dann einige Verabredungen mit Menschen*: eine Besuchs- und Essenseinladung zu mir, ein Kakaotrinken und Stadtbesuch irgendwo auf der Strecke zwischen uns, ein Konzertbesuch hoffentlich zu dritt, ein Wiedersehen wo auch immer, mindestens ein Besuch bei mir und mindestens einer dort…das sind die, die schon jetzt einigermaßen feststehen.

Mitnehmen werde ich auch Vorfreude und Motivation für Ereignisse, die schon in Planung sind: Begleitung von Jugendprojekten, der Kirchentag in Berlin, Planung und Begleitung der Jugendsommerfreizeit und einer Jugendbildungsreise… Das wird spannend. Außerdem steht die Endphase des Studiums an, das Praktikum wird abgeschlossen, letzte Prüfungsleistungen erledigt, die Masterarbeit begonnen, geschrieben und abgeschlossen – so der Plan. Das wäre genial, wenn das alles in diesem Jahr gelingt! Es wird viel Arbeit. Aber ich gehe es an und schaue, was geht. Ich habe ein Ziel und ein Datum dazu im Kopf. Wenn das geht, ist es gut. Wenn nicht, dann wird es eben anders. Das wird sich zeigen.

Ich möchte mehr singen, mehr lesen, weniger grübeln und mehr denken, möchte mich mehr bewegen und mehr reisen (jeweils im Kleinen wie im Großen), möchte mehr abschließen und mehr anfangen, möchte mehr sein und lassen, weniger Angst haben und mich weniger sorgen. Ich möchte mehr Zeit und Nähe mit lieben Menschen teilen, möchte mir selbst näher sein, mehr auf meine Bedürfnisse achten und diese kommunizieren. Und wenn ich von all dem jeweils ein ganz kleines bisschen mache, dann ist das schon gut. Schritt für Schritt. Immer das, das gerade geht.

 

Musikalische Untermalung dieser gedanklichen und nun schriftlichen Beschäftigung mit dem vergehenden Jahr boten mir 3sat mit „Pop around the clock“ und den Konzerten von Ed Sheeran, Mumford & Sons und Eric Clapton, sowie Judiths Playlist zum Jahresende. Ich hab hier nun viel geschrieben, habe noch mehr gedacht. Geordnet ist es glaube ich nur so einigermaßen, vielleicht auch noch weniger als einigermaßen. Vielleicht ist auch nur für mich ein Sinn darin zu erkennen. Aber genau dafür ist es gedacht. Ich bin jetzt zufriedener als vorher, ich habe zurückgeblickt und einen Ausblick gewagt. Das war gut, das tut gut. Es fühlt sich nach Jahresabschluss an. Das eine oder andere Ding ist noch offen, aber auch das ist in Ordnung. So kann es sein.

 


*(G-M-BA-J-TP, für mich zur Erinnerung)

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