Heute fühle ich mich wie…

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Heute fühle ich mich wie… Hm. Nun ja. Das so in Worte zu fassen ist tatsächlich schwierig. Als ich vorhin heim kam, nach dem Sport, auf den ich mich schon kaum konzentrieren konnte, obwohl er mich sonst sehr in seinen Bann zieht und fokussiert wieder entlässt, setzte ich mich direkt in meinem Zimmer auf den Teppich, das Bett im Rücken, und nahm die Gitarre auf den Schoß. Ich spielte drauflos, ganz nach Gefühl. Also: Heute fühle ich mich wie „Mango Tree“ von Angus und Julia Stone. „I whish I had a mango tree in my backyard with you standing next to me.“ Dieses Lied verbinde ich eigentlich mit einem Menschen, der so nichts weiter mit dem heutigen Tag und meiner Gefühlslage zu tun hat. Zumindest nicht primär. Tertiär, vielleicht. Aber letztlich passt es vom Klang, von der Stimmung, vom Gefühl. Und es erforderte einiges an Konzentration, es nach längerer Zeit wieder ohne Liedblatt hinzukriegen. Als nächstes spielte ich eines von meinen eigenen, nämlich das, das mit dem Menschen verknüpft ist, mit dem meine da aktuelle Gefühlslage (viel zu) eng verknüpft war. Meine Konzentration schwand, in meiner Stimme schwang so viel mit, dass ich durcheinander kam. Egal. Heilsam. Mit heilsamen Tränen. Musik ist Liebe, ist Gefühl. So ist das. Danach brauchte ich ein bestimmtes anderes Lied, danach war mir sehr: „Down in the Past“ von Mando Diao. Ich habe dieses Lied vor vielen Jahren in der Akustik-Version kennen und lieben gelernt, bis heute höre ich die Version am liebsten. Bald konnte ich es selbst spielen. Richtig gut gelingt es mir aber nur, wenn ich wirklich viel passendes Gefühl reinpacken kann. Heute passte es. So sehr. Allerdings traute ich mir nicht zu es auswendig zu spielen, rumprobieren wollte ich nicht. Daher packte ich die Liedermappe aus. Das ging gut. Als nächstes blätterte ich um und landete bei Avril Lavigne: „I’m with you“. Auch das geht nur mit dem richtigen Gefühl wirklich gut. So heute. Wieder umgeblättert, als nächstes folgte „Sail away“ von The Rasmus. Weiter geblättert, dieses Mal etwas weiter. Als nächstes: „Love Love Love“ von Of Monsters and Men. Mit Schmerz in der Stimme und so vielen Gedanken und Bildern im Kopf, aber nicht gänzlich überzeugt. Weiter geblättert. Das WG-Lied, weil es gerade im Radio in Dauerschleife lief, als wir das erste Mal gemeinsam eine Wohnung bezogen: Passenger mit „Let her go“. Gezupft, nicht geschlagen. Ruhig und kraftvoll und fragil gesungen, mit noch mehr Gefühlen in den Schwingungen. „Dreams come slow and then go so fast. […] You dived to deep.“ So sieht es aus. „Only know you love her when you let her go.“ Und dann…dann konnte ich nicht mehr spielen und nicht mehr singen, nur noch die Gitarre auf dem Schoß festhalten und sitzen und… Ja.

Mir ist kalt. Kalte Hände, kaltes Gefühl im Inneren. Kein Sport, keine Bewegung, keine Kleidung, keine Decke, keine heiße Schokolade – nichts hilft. Ich fühle mich eingesperrt und ausgesperrt gleichzeitig. „Nichts ragt aus dem Rauschen und nichts – . […] Für mich ist alles gleich weit entfernt. […] Es geht alles unter in diesem dumpfen Rauschen.“ Ganz so tief wie Dota es in „Rauschen“ besingt, bin ich gerade noch nicht drin. Aber weit entfernt davon bin ich auch nicht. Ich versuche mich festzuhalten. Ich versuche mich fest zu halten. „Ich habe Wasser zum Trinken und Freunde zum Sehen, einen Plan für heute, einen Plan für danach, und wenn ich will, kann ich rausgehen.“ Ja und nein. Wasser ist da, ich muss nur daran denken auch davon zu trinken. Freunde gibt es auch, aber die, die ich gerade wirklich gern um mich hätte, sind gefühlt unglaublich weit weg. Ich versuche es, aber: „Es ist alles hinter Panzerglas.“ Einen Plan für heute: Blogartikel schreiben, Musik wirken lassen, irgendwann bald schlafen. Oder noch ein bisschen reden. Oder so. Einen Plan für danach: Nach heute kommt morgen, ein neuer Tag, an dem viel Arbeit erledigt werden will, ich aber auch mindestens einen sehr lieben Menschen treffe und abends ein Abenteuer bestreite. Danach = nach dieser Phase: Kein Plan. Und wenn ich will, kann ich rausgehen: Rausgehen, das sollte ich mehr. Mir gut tun; aber auch: einfach so gehen. Gehen hilft. Jetzt gerade gehe ich nicht, nirgendwo gehe ich mehr hin. Ich kuschel mich ein, mit Decke und Wärme.

Im Moment passiert so viel. Ich habe Erwartungen zu erfüllen, vor allem meine eigenen, aber immer mehr auch die von anderen. Ich muss mir darüber im Klaren sein, wessen Erwartungen ich da gerade spüre, und welchen ich wie gerecht werden möchte. Ich muss Prioritäten setzen. Ich muss gleichzeitig auf mich Acht geben und mir gut tun. Das fällt mir schwer: mir unabhängig von anderen Menschen gut zu tun.
Im Moment passiert so viel. Dinge ändern sich. Arbeit ist aufregend, spannend, anstrengend. Es bahnen sich Umbrüche an, Veränderungen werfen ihre Schatten voraus. Gleichzeitig ist noch so viel vom „Alten“ zu tun. Dinge sind abzuschließen, zu Ende zu bringen. Es gibt so viele letzte Male. Und so viele erste Male. Ich möchte zwischendurch Abstand nehmen von all dem, möchte mich rausziehen, einen Schritt oder mehrere zurücktreten und durchatmen – und mache es doch nicht, so lange nicht, bis es wieder einen Tag gibt, an dem gar nichts geht. Mindestens einen im Monat gibt es, der so ist. Das ist okay. Und vielleicht ist es sogar gut und wichtig. Danach kann ich mit umso mehr Kraft weitermachen. Pausen sind gut, ich nehme sie mir zu selten.
Im Moment passiert so viel. Ich schaue immer noch viel auf die negativen Punkte, auf die Nachteile, auf das Traurige, das Schmerzhafte. Ich könnte mir auch die positiven Dinge vor Augen führen, das Gute betrachten und mich daran festhalten. Doch das fällt mir schwer. Es ist eine Sache der Gewöhnung, das weiß ich. Langsam an, Geduld nur, Geduld, der Frühling kommt bald…
Im Moment passiert so viel. Da ist dieses aufregende Ding, diese Geschichte, diese Sache, dieser Mensch, dieser Prozess. Das ist aufregend und spannend und wunderbar – so voller Gefühl und Träume und Gedanken, voller Sehnsüchte und voller Ideen. So wie es ist, so ist es richtig; es ist, wie es ist. Ich beobachte und genieße. Manchmal überkommt mich die Ungeduld, dann möchte ich großen Schrittes vorangehen. Manchmal überkommt mich die Angst, dann möchte ich stehen bleiben oder rückwärts gehen. Aber es geht seinen Weg, so wie es ist. Und wir gehen diesen Weg und schauen, wie er sich so macht. Das ist gut.

Heute fühle ich mich außerdem wie…
Cat Power – The Greatest.
Dota – Als der Sturm vorbei war (Max Prosa Cover)
Dota – Du musst dich nicht messen
Dota – Im Tausch
Kalle Mattson – Darkness
Anna Ternheim – I’ll follow you tonight
Dillon – In Between Days
Ólafur Arnalds – Lokaðu augunum
Ólafur Arnalds & Arnór Dan – No. Other
Ólafur Arnalds, Douglas Adams, Arnór Dan – Say My Name (Destiny’s Child Cover)
Rökkurró – Svanur
Dillon – Thirteen Thirtyfive
Yoav – Where is my Mind
Asaf Avidan & The Mojos – Your Anchor
Salif Keita – Yamore.

Heute fühle ich mich wie zerschlagen. Ich werde morgen vermutlich Muskelkater vom Sport haben. Aber nicht nur das zerschlägt mich. Ich bin müde. Das wird wohl auch ein Grund dafür sein, dass mir so kalt ist. Ich bin heute viel Bahn gefahren, den ganzen Vormittag. Dabei bin ich immer wieder weggedöst, Musik hörend, aus dem Fenster sehend und doch nichts sehend, weil träumend und denkend. Schlafen…das könnte ich den ganzen Tag, die ganze Nacht, und doch finde ich den Weg nicht, den Weg ins Bett zum Schlafen. Ich sitze auf dem Bett, denke, schreibe, warte darauf, dass das alles vergeht.

Heute fühle ich mich nach Bloggen. Nach von der Seele reden. Nach in die Welt schreien. Ich möchte darüber reden ohne darüber zu reden. Ich möchte es loswerden und festhalten zugleich. Das mache ich hiermit. Ich möchte auch ein Feedback, eigentlich. Denn eigentlich möchte ich gern mit jemandem darüber reden, möchte dabei angesehen werden, möchte gesehen werden, in meiner Lage, meinen Gefühlen, meinem Schmerz und Unwohlgefühl, meiner Zerrissenheit. Ich möchte wahrgenommen werden, möchte in den Arm genommen werden, möchte hören, dass ich gehört wurde und dass das alles okay ist, was ich sage und fühle, dass es alles seine Berechtigung hat und dass es, ja, verdammt, schmerzhaft ist und das auch okay ist und seinen Zweck erfüllt. Und dann möchte ich geliebt sein, angenommen sein, gehalten. Damit das Gefühl von Einsamkeit in mir vergeht, damit es schmilzt und mir inneren Freiraum gibt, Freiraum, den ich für die Heilung brauche. Nimm die Spannung raus und halte mich, damit ich nicht in mir zusammenfalle, halte mich, bis ich wieder selbst stehen kann, mit eigener Kraft, ohne die schlechte Spannung. Das wünsche ich mir. Von…verschiedenen Menschen. Und von Dir.

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