Zwischenzeit.

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In der Zwischenzeit ist viel passiert.

Meine Praktikantenzeit ist vorbei, offiziell zumindest. Ich hab viel erlebt, viel gemacht, Geld verdient mit Dingen, die ich gerne mache, mit schönen und auch mit anstrengenden Dingen. Eine Zeit der Bahnfahrten, der Schlüsselsuchen, der Vorbereitungen, der Zuschussanträge, der Vorstellungsrunden, des Lernens, des Kofferpackens und Materialschleppens. Eine Zeit mit Terminen und gleichzeitig viel und wenig Freiraum. Eine Zeit voller Anerkennung für meine Leistung, für meine Ideen und Gedanken. Eine Zeit voller interessanter, toller Menschen.

Zeit ist vergangen. Neun Monate, eigentlich sogar noch länger. Zeit, in der ich vieles nicht geschafft habe, in der vieles liegen blieb. Menschen, die ich nicht getroffen habe, Geburtstage, die ich vergessen habe, Treffen, an denen ich nicht teilnehmen konnte, weil ich entweder nicht vor Ort oder zu müde oder beschäftigt war. Ich habe das Studium schleifen lassen, so fühlt es sich zumindest an. Ja, das Praktikum war auch Teil meines Studiums, aber Prüfungsleistungen erledigen sich nicht von alleine und auch eine Masterarbeitsfrage kommt einem nicht unter der Dusche zugeflogen, sondern will erarbeitet werden (um dann möglicherweise doch unter der Dusche geklärt zu werden). Ich war so oft so müde, war tatsächlich krank, habe viel geschlafen und wenig gemacht, zumindest wenig von dem, was ich sonst so tue. Ich hab viel gearbeitet, nachgedacht, geplant, überlegt und gestaltet. Ich war so viel unterwegs, dass ich Haushaltstätigkeiten vernachlässigte, weil ich mich nicht zum Haushalt zugehörig fühlte. Ich hatte so viel vor, hatte Pläne und Ideen. Und was war? In der Zwischenzeit ist viel passiert. Und nun?

In der Zwischenzeit wird viel passieren.

Ich nehme mir Zeit. Zwischenzeit. Auszeit. Freizeit. Zeit für mich, Zeit für Dinge, Zeit für Menschen. Zeit für den Haushalt, fürs Aufräumen, äußerlich und innerlich. Liegengebliebenes und Liegengelassenes aufheben, anschauen, wegpacken oder fertigstellen. Aufgeschobenes, Weggeschobenes angehen. Ich rede mit Menschen, ich mache wichtige Termine. Ich schlafe mal wieder aus. Ich steh mal wieder früh auf, ohne einen Termin zu haben. Ich verabrede mich, einfach so, weil ich Menschen sehen und Zeit mit ihnen verbringen möchte, und sage ihnen das auch genau so. Ich mach das einfach. Und ich fange einfach an und mache einfach weiter: mit der Arbeit, den Anträgen, der Abrechnung, dem Korrekturlesen für andere, dem Haushalt, den Uni-Sachen und allem anderen. Alles zu seiner Zeit. Alles zu meiner Zeit. In meinem Tempo. Es ist total okay, dass ich nicht weiß, wie lange die Zwischenzeit dauert. Denn ich weiß: Zumindest ein Teil dauert bis Anfang September, wenn ich die nächste große Reise des Jahres antrete. Bis dahin möchte ich einiges getan haben, bis dahin wird vieles passiert sein. Und was bis dahin nicht passiert ist, passiert danach. Vielleicht. Vielleicht auch erst später. Ich muss nicht wissen, wann ich mein Studium beende. Es dauert so lange wie es dauert. Und das ist total okay. Ich muss ein paar Dinge regeln, ich sollte mich um ein paar Dinge kümmern. Und irgendwann sollte ich fertig werden, denn ich will fertig werden. Aber noch nicht morgen. Auch nicht übermorgen. Und das ist okay. Das ist entspannt. Das ist gut.

In der Zwischenzeit ist viel passiert.

Ich hab mich entwickelt, bin gewachsen und stärker geworden. Ich habe viel über mich gelernt und erfahren. Aber ich habe auch viel Kraft verbraucht und mich teilweise übernommen. Ich bin ein paar Mal gefallen, manchmal tiefer als okay war. Ich bin auch ein paar Mal aufgefangen worden, das letzte Mal sogar ziemlich gut. Aber ein paar Mal war ich auch allein und das war überhaupt nicht gut. Daran will ich arbeiten. Daran werde ich arbeiten. Es ist viel passiert und es wird noch mehr passieren. Und das ist gut. Zwischenzeit. Zwischenzeiten. Zwischen Zeiten.

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