Ohne. Mit. – Gedanken.

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Ohne Uhr zu sein – das ist ein Erlebnis für sich. Ohne Uhr, ohne Zeitdruck, ohne Termine – einfach sein. Dinge tun, weil sie an der Zeit sind. Ganz basale Dinge: Essen; Brennholz sägen, hacken, stapeln, reinholen; Feuer machen und darauf kochen. Ohne Strom. Ohne Telefon. Mit Petroleum und Kerzenlicht, mit Kanonenofen und Küchenhexe. Reden. Schweigen. Musizieren. Sein. Das war mein Wochenende, in einer Hütte im Wald, gemeinsam mit vier Freund_innen. Es ging ums Dasein, Dort-sein, Sein. Die Hütte ist ein Rückzugsort, ein Sein-Ort. Momentaufnahmen wurden mit der Einwegkamera festgehalten, das ist schon Tradition. Gegessen wurde Brot mit gutem Aufstrich und Käse, außerdem wurden Käsespätzle gekocht. Getrunken wurde Tee und Kaffee sowie Flusswasser, alles entweder abgekocht oder gefiltert, aber händisch aus dem Fluss geholt. Der Gang aufs Klo: etwas matschig, dann aber mit offener Tür und Blick in den Wald… Nachts knabberte das Mäuschen an allem, was es fand: Spätzleverpackung, Brillennasenflügelnubsis, Chipskrümel. Eine Nachtwanderung im Fackelschein, Gespräche, Schweigekreis. Sternenhimmelweite mit Milchstraße. Nähe, weil wir sie so wollten, aber auch weil die kleine Hütte sie hervorruft. Gemeinschaft, aufeinander angewiesen sein wollen. Miteinander sein wollen. Füreinander sein wollen. Sein.

Ich hatte viel hinter mir, als ich ankam. All das hatte ich gefühlt im Gepäck. Die anderen waren gewandert, eineinhalb Stunden mit Gepäck. Ich kam später dazu. Das war abgesprochen und okay, aber irgendwie auch schwierig. So eine Wanderung, ein gemeinsames Losgehen, Unterwegssein und Ankommen verbindet. Aber ich kam an, irgendwann. Es dauerte fast einen Tag. Aber was ist schon Zeit? Eine Minute mit offenem Fenster kann eine Ewigkeit dauern oder sehr kurz sein, eine Minute mit geschlossenem Fenster ebenso. Vor allem ohne Uhr.

Wir haben gelacht, geredet, gequatscht, gesprochen, geschwiegen. Herzensnähe. Es hätte noch näher sein können, noch herzlicher, noch intimer. War es aber nicht. Es war, wie es war. Und es war schön. Ich durfte sein, ich durfte danebensitzen und mich schlecht fühlen. Ich durfte mich an die Hand nehmen lassen, mich mitnehmen lassen, durfte erste Schritte allein wagen und mich einfinden. Insgesamt war mir die Zeit zu kurz. Nächstes Mal möchte ich von Anfang an dabei sein, möchte mir die Chance geben alles mitzumachen. Vor allem aber möchte ich sein. Das Gefühl, das diese Hüttenzeit in mir hervorruft, ist ein völlig neues. Das ist ungewohnt, aber es ist herrlich. Es fühlt sich gut an, frei, rau und kantig, aber auch gemütlich und weich. Es fühlt sich richtig an. So richtig basal, geerdet, unten und gut. Ich freu mich auf das Adventswochenende. Für dann weiß ich auch besser was ich brauche und was ich getrost daheim lassen kann. Minimalismus. Ja.

Ich bin dankbar und zufrieden. Ich hab lang überlegt und dann doch recht spontan entschieden, aus einem spontanen Bauchgefühl heraus, und es war goldrichtig. Ich bin glücklich mit diesem Wochenende. Danke. 🙂

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