Rückblick. Rückschau. Rücksicht.

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Ich blicke zurück. Immer mal wieder, anscheinend zufällig, kommen kleine Rückschau-Momente auf, nehmen keine Rücksicht auf mein aktuelles Befinden. Manchmal nehmen mich diese Momente sehr mit, emotional oder auch anders. Manchmal träume ich mich hinein, manchmal träume ich sie herbei. Ich weiß, dass es vorbei ist. Das Leben ist weitergegangen, die Momente damals verstrichen. Eine neue Chance? Die wird es wohl nicht geben. Und wenn doch, dann wird es anders sein, auch wenn wir nostalgisch zurückblicken. Das Ding ist: Jede*r hat eigene Erinnerungen! Im Austausch darüber wird das besonders deutlich. Ich erinnere mich an andere Momente, Szenen, Gesprächsinhalte als du und du dich an andere als ich. Das ist spannend und skurril und witzig. Vielleicht sehnen wir uns beide manchmal zurück – aber wir denken dabei an völlig unterschiedliche Momente, Situationen, Gefühle. Vielleicht denken wir auch an das Gleiche, manchmal. Ich möchte mich erinnern, ich möchte aufschreiben und festhalten, welche Momente, Situationen, Gespräche, Bilder und Gefühle in mir auftauchen, wenn ich an dich denke. Ich möchte auch festhalten, welche Trigger es gibt, zumindest ein paar davon.

Ich höre dabei Anna Ternheims neues Album, das ich noch gar nicht kenne, weil es Mitte November erst erschienen ist und ich es erst heute entdeckt hab: All the way to Rio. Anna Ternheim an sich ist ein wenig ein Trigger, aber nicht direkt. Die Stimmung ist okay, denke ich. Vielleicht packe ich später andere Trigger aus.

Wenn ich an damals denke, an dich, dann tauchen diese Erinnerungen auf:

Du und ich unter einem Baum Schutz suchend vor dem Regen, ich ohne Jacke, nur mit Kapuzenpulli. Du sagst, dass du einen recht trockenen Fleck erwischt hast und ich begreife nicht, was du eigentlich sagen willst. „Wie sehr wünsche ich mir nochmal dort zu stehen, dich zu verstehen, darauf einzugehen!“ – Wie oft hab ich das gedacht.

Du und ich in meinem Zimmer auf meinem Sofa, wir reden über Brücken. Es ist der gleiche Tag wie der mit dem Baum und dem Regen. Ich missdeute deine Signale bis du handelst. Dann bin ich geflasht.

Deine Worte in einem Brief an mich, deine Beschreibung eines Traumes, ganz am Ende des Briefs, grade noch so ergänzt. Welchen Eindruck diese Worte gemacht haben, wie sehr ich in dieses Gefühl gegangen bin, wie gut ich mich auch jetzt noch hineinfühlen kann! Das war das erste, das auftauchte, als du von der Bettkante schriebst, auf der wir vielleicht nochmal zusammenkommen, zum Reden oder Schweigen.

Du, viel früher, mit anderen bei mir zu Besuch, am Klavier.

Wir im Kino, mit Ellenbogenkontakt, mehr hab ich mich nicht getraut. Hinterher ein Spaziergang durch die winterliche Stadt, ein Gespräch in der Kneipe.

„Drehst du die Platte nochmal um?“

Dein offener Arm, deine Einladung dort hinein, auf meinem Bett, nachdem wir lange lange geredet und geschwiegen haben, mit Musik.

 

Erst mit Nachdenken: Der „Urlaub“ am Hafen. Der Gedanke daran flasht mich immer noch. Immer wieder. Meistens hab ich ihn gut weggepackt.

Vermischt mit meiner Gedankenwelt: Das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, wenn wir still umarmend stehen. Jetzt gerade hätte ich das gern: eine Umarmung von dir, im besten Fall trägst du ein T-Shirt*, darüber einen Strickpulli mit Stehkragen und Reißverschluss. Ich lege meine Arme um deine Taille, du deine über meine, und ich lehne meinen Kopf an deine Schulter. So stehen wir, bis wir nicht mehr stehen mögen. Da wäre ich jetzt gern.

Ich möchte die Momente festhalten, die mich nachhaltig beschäftigen, die ich gern genau so nochmal erleben würde, und die ich gern ändern würde, wenn ich sie nochmal erleben könnte. Ich weiß nicht, ob „schuldig“ das Wort meiner Wahl wäre, um meine Gefühle beim Gedanken an manche Momente zu beschreiben, aber in etwa kommt das wohl hin…

Da gibt es ein-zwei Momente, die hier nicht ausgeschrieben werden wollen. Beide lokalisieren sich horizontal in meinem Zimmer, einer hat mit Nichtmachen, einer mit Dochmachen zu tun. Der Moment des Nichtmachens beschäftigt mich aufgrund der Naivität, die ihm innewohnte, und aufgrund der augenscheinlich vertanen Chance. Diese versuchte der Dochmachen-Moment vermutlich aufzufangen – nur mäßig erfolgreich. Nun ja. Gäbe es eine weitere Chance – ich denke, ich würde sie zu nutzen wissen.

Auslöser, Anstoßgeber für Gedanken an dich können verschiedene Momente sein. Oft ist es Musik. Wir haben so viel Musik geteilt, du hast mir so viel gezeigt. Zeitweise hab ich diese Musik gemieden, zeitweise ganz bewusst rausgesucht, insbesondere die Schallplatte, die oben schon Erwähnung fand. Manchmal finde ich Fotos aus der Zeit. Manchmal sprechen andere Menschen von dir. Manchmal sind es ein Buch oder ein Film, Notizen oder Bilder, die mich an Gespräche oder Szenen erinnern. Auch Orte können das, vor allem Bänke, aber auch andere. Manchmal ist das schwierig, manchmal, auch nun noch, aber nicht mehr so sehr, irgendwie schmerzhaft. Manchmal ist es einfach nur schön.

Es ist viel passiert. Ich hab so viel nachgedacht, nachgefühlt. Ich hab so viel überlegt und ausgedacht und phantasiert. So viele Schritte habe ich gemacht, auf dich zu, in deine Richtung, so oft bin ich gleich wieder stehen geblieben. Manchmal hat dich ein Impuls erreicht. Aber irgendwann habe ich aufgehört zu wollen und zu warten, immer neue Impulse zu setzen und auf eine Antwort zu hoffen. Und das war gut. Es hat lange gedauert, bis es so weit war. Aber irgendwann war es so weit. Und nun, nun ist es auch gut. Ich schaue mir relativ entspannt an, was so passiert, und ich mache mit. Das ist gut. Ich bin gespannt und entspannt zugleich: Mal sehen.

Unsere ausgetauschten Nachrichten gehen in diese Gedanken hier ein. Ich habe auch andere Erinnerungen ausgepackt, habe die Briefe wiedergefunden und angeschaut und meine geschriebenen Gedanken, dazu die Musik… Ich schaue zurück, mit nostalgisch-verklärtem Blick. War das schön! War das furchtbar! Aber war das schön. Wow. Und wie schön, dass wir reden, im Hier und Jetzt, im Heute. Schön, dass es dich gibt. ♡

 

*Die amüsante Erinnerung an dieser Stelle hat mit dem Ausziehen eines T-Shirts zu tun. 😉


Vielleicht ist Anna Ternheim doch nicht die optimale Untermalung dieses Schreibens gewesen. Später hab ich ohne Musik weitergeschrieben.

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