Pufferzone.

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Weil aus einer spontanen Idee heraus zu handeln, so impulsiv und ohne groß nachzudenken, nicht mein Stil ist und ich mich zwar dazu hingerissen fühle, aber dennoch Bedenken habe, die mich zurückhalten, nutze ich dieses Textfeld als Pufferzone.

Ich habe meinen Horizont erweitert und einen Film angeschaut, den ich vielleicht schon längst mal hätte gucken müssen. Aber da ich im Moment gerne glaube, dass Dinge nicht ohne Grund zu genau dem Zeitpunkt geschehen, zu dem sie geschehen, wird es wohl seine Richtigkeit haben, dass ich besagten Film genau jetzt gesehen habe. Ich bin berührt, gerührt, habe mitgelitten und mitgeliebt. Eine Coming-of-Age-Geschichte war es, eine wundervolle, mit einem sehr hübschen Menschen als Hauptperson. Ich bin hingerissen und frage mich, ob ich die Hauptperson lieber treffen oder sein möchte. Was ich mitnehme: Liebe ist wundervoll. Liebe ist grausam. Den richtigen Menschen zu treffen, sich einander hingeben zu können und es vollends genießen zu können, ist großartig und wertvoll. Beziehungen enden, oft auf verschlungenen Wegen. Die Wahrheit ist grausam, aber wichtig, denn die Lüge ist grausamer, weil sie eine andere, möglicherweise ebenfalls grausame Botschaft enthält und zusätzlich Betrug ist. Auch nach schlimmem Streit und ich-will-dich-nie-mehr-sehen kann es ein versöhnliches Gespräch geben und auch wenn auf einer Seite noch Hoffnung besteht und diese wieder enttäuscht wird, kann es, wird es weitergehen. So ist das. Schmerzhaft, aber so ist das. Und auch, wenn die Hoffnung auf eine erneute Beziehung und Liebe aufgegeben werden muss, so bleibt doch die Erinnerung an die guten Momente, es bleibt die Zuneigung, die es einmal gab, selbst wenn sie nun so nicht mehr vorhanden ist. Darauf kann gegenseitige Wertschätzung aufbauen. Das kann gut sein. Es ist aber auch total okay, der aufzugebenden Hoffnung noch eine Weile hinterherzutrauern und das Glück, das selbst nicht erreicht werden kann und andere aber erleben, mit Schmerz anzusehen. Das Leben geht weiter. Vielleicht gibt es eine erneute Begegnung, dann soll es so sein. Vielleicht nicht, dann soll auch das so sein. So ist das.

Ich würde vielleicht schreiben, dass ich diesen Film endlich gesehen habe, und an einige Erlebnisse, Gedanken und Gefühle zurückgedacht habe. Vielleicht würde ich schreiben, dass ich alles Gute wünsche und Glück und Zufriedenheit. Und vielleicht, in Anlehnung an die Wise Guys, dass „du frei bist, dass du zufrieden bist – und dass du mich vermisst“. Ich bin es nicht, ich bin weder frei noch zufrieden, aber das bezieht sich gerade auf eine ganz andere Baustelle in meinem Leben. Eine, die schon recht offensichtlich war, zumindest für andere, nur für mich selbst wird sie es erst jetzt und auch erst jetzt scheine ich langsam die Ausmaße zu begreifen – nein, noch nicht so richtig. Aber ich gehe es an. Und ich nehme Hilfe an, die mir angeboten wird, und ich frage auch manchmal nach Hilfe. Jedoch bin ich sehr vorsichtig geworden, was das Annehmen von versprochener Hilfe angeht – ich verlasse mich nicht darauf. Ich könnte jetzt „Danke dafür“ sagen, mit so einem gemein-ironischen Ton. Doch da stehe ich nicht. Ich kann die Motive dahinter nur vermuten und will mich nicht in diesen Gedanken verlieren, das ist mir nicht wichtig, es ist zwar da, aber es ist nicht im Vordergrund. Ich sehe, dass es nicht ging, und das ist schon auch okay. Der Bruch war nur hart. Ich stehe hier und sage dennoch Danke, für den Anstoß, das Handhalten, das Versprechen, den Versuch. Und irgendwie auch Danke, dass ich so tief gefallen bin, dass ich endlich begriffen habe, dass ich wirklich und wahrhaftig Hilfe brauche. Das hier wird keine Schuldzuweisung, denn die kann es nicht geben. Das Leben ist ein Puzzle, nicht so eines mit vielleicht 1000 Teilen, die auf genau eine Weise ineinanderpassen und ein bestimmtes Bild ergeben, das auf dem Kartondeckel abgeschaut werden kann. Eher so eines aus Legosteinen, die auf ganz verschiedene Art und Weise zusammengesetzt werden können. Ich kann etwas bauen, kann daran arbeiten, vielleicht gefallen mir die Steine, die du hast, vielleicht auch die, die dort drüben liegen. Vielleicht passen die dann aber doch nicht zu meinen, vielleicht ändert sich meine Meinung, vielleicht bin ich unvorsichtig oder grob und bringe etwas durcheinander oder zum Einsturz, vielleicht reiße ich mit Absicht oder aus Versehen etwas ab, verbaue mir Möglichkeiten oder eröffne welche, die ich gar nicht wollte oder derer ich mir nicht bewusst bin. Und manchmal kommen Bausteine dazu, die wollte ich gar nicht. Die mischen sich unter. Und vielleicht gibt es sogar so eine Art Unwetter im Legobaukasten, vielleicht kippt jemand eine Packung Schleim drüber aus und verhindert so den weiteren Bau, weil nichts mehr richtig zusammenhält. Dann muss erstmal innegehalten werden und aufgeräumt und sortiert und geputzt, bevor es weitergehen kann. Manche Steine halten bombenfest, vielleicht hat da jemand mit Sekundenkleber nachgeholfen? Manche Steine lassen sich auch unter den widrigen Schleimbedingungen mühelos anbauen und halten. Manche lassen sich nur schwer abschütteln und manche schütteln den Schleim nur schwer ab. Ein Vergleich mit anderen Bauwerken ist unter Schleim übrigens nicht möglich – ein Verbinden auch nicht wirklich. Da gilt es die Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten abzuwarten…

 

Gut, das würde ich wirklich nicht alles schreiben. Und es ist hier auch deutlich besser aufgehoben als in einer kurzen Textnachricht, die per Handy verschickt wird und auf die ich nur vielleicht eine Antwort bekomme, die mir auch nur vielleicht in den Kram passt. Gut, dass es diese Pufferzone gibt. Und vielleicht soll es ja wirklich so sein, dass wir uns begegnen. Ich habe nur noch ein wenig Respekt vor dieser Situation, keine große Angst mehr wie noch vor einiger Zeit. Wenn es so weit ist, kann ich sagen: Nein, es geht mir nicht gut. Falls du fragst: Ja, das hat möglicherweise ein bisschen mit dir zu tun, aber nein, um Himmels Willen, das ist bei Weitem nicht alles. Ich komme langsam darüber hinweg, habe aber eine andere, deutlich größere und krassere Baustelle offen, die schon auch damit verwoben ist, die mich aber lange Zeit hat verdrängen lassen (und nicht nur die, da gab es noch mehr). Ich gehe es an, ich habe angefangen und der Anfang war schwer. Vielleicht wäre es mit versprochener Unterstützung besser gegangen… – Nein, weißt du, das würde ich wohl doch nicht sagen. Nun bin ich schon wieder dabei. Also anders weiter: Die große Baustelle steht im Fokus. – Ach, ich weiß nicht. Vielleicht will ich gar nicht weiter darüber reden. Das muss ich auch nicht. Ich kann auch sagen: Ich habe kürzlich meinen Horizont erweitert, was Filmkenntnisse angeht. Ich finde den Titel immer noch absurd, der Originaltitel passt besser, finde ich ganz ohne Französischkenntnisse, aber der Film ist wirklich gut. Vielleicht hätte ich ihn gern früher gesehen, aber vielleicht war es auch jetzt einfach genau richtig. Ich habe auf jeden Fall einige Dinge aus meinem Leben dadurch nochmal betrachtet und wohl auch neu betrachtet, denn betrachtet man Dinge nicht mit etwas Abstand immer wieder neu? Abstand habe ich gewonnen. Oh ja. Vielleicht noch nicht genug, wir werden sehen. Aber auch das gehört dazu. Ich muss euch ja nicht begegnen, euch nicht zusehen, euch nicht mögen. Seid glücklich, das hoffe ich wirklich. Denn wenn ihr es nicht seid, fänd ich es noch schlimmer, dass wir es nicht geworden sind. – Okay, einen kleinen, kleinen Teil davon werde ich vielleicht sagen, wenn wir uns sehen. Und das ist okay. Ich werde ehrlich sein. Ehrlich und sparsam mit Worten, das ist ein guter Vorsatz. Und dann kommt es, wie es kommt.

 


~~∞~Anscheinend mag ich die Bau-Metapher…damals waren es Brücken.
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