Ehrlich.

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Damit begann das „Gespräch“, es war die erste Nachricht in diesem Chatverlauf zwischen zwei Menschen. Dem voraus ging ein Wochenende mit 14 Menschen in einer Hütte im Wald, ohne Uhren, ohne fließend Wasser und ohne Strom, dafür mit viel Holzmachen, Singen, Kochen, Reden, Lachen, Spazierengehen, Gemeinsam- und Solozeit, Plumpsklo, Feuer, Jurte und Hütte (man mag sich erinnern). Das Wochenende klang aus mit einer Winterwunderwaldwanderung, geschätzte eineinhalb Stunden durch den Schnee. Dann ging es mit dem Bus zurück in die Stadt, was Dank eis- und schneeglatter Straßen wahrlich kein Spaziergang war. Material musste auf Dachböden verteilt und zum Trocknen aufgehängt oder eben wieder im Lager verstaut werden. Nach und nach verabschiedeten wir uns. Jede dieser Abschiedsumarmungen war stimmungsvoll. Diese eine scheint bei beiden Umarmenden einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben (sonst kann ich ja eher nur für mich selbst sprechen). Ja, ich finde auch, dass sie sich super ehrlich angefühlt hat. Wundervoll. Viel zu kurz, dabei war sie schon länger als manch andere.

Gelesen hab ich die Nachricht heute Morgen, denn als sie kam, schlief ich schon. Im Folgenden wurden einige Nachrichten ausgetauscht, die sich nur auf die Umarmung und die Benennung ihrer Schönheit beziehen: „Danke dir, für die Umarmung und die Worte. Das fühlt sich gut an.“ – „Jaa auf jeden Fall! Liebend gern“ – „Gerne wieder :)“ – „Das ist gut! Haaaach“. Später dann die Ergänzung: „Ich glaube das habe ich so auch noch nie zu jemandem gesagt“ – „Ich fühle mich geehrt!“ – „Sehr gut!“. Insgesamt also acht Nachrichten zu einer Umarmung. Dann geht das Gespräch inhaltlich weiter: Was tust du so? Wie war dein „Tag danach“ bisher so? Was passiert heute Abend noch? Dann die Einladung, möglicherweise scherzhaft zu verstehen, gemeinsam Postkarten zu schreiben, wenn es eh beide vorhaben. Man einigt sich aufs Teetrinken – und schwupps, ist er da. Zwei Stunden vergehen wie im Flug, mit Wohnung anschauen, Zimmer und Inhalt betrachten, Tee trinken und Reden. So ein schönes, unkompliziertes, ehrliches, warmes Gespräch! Manchmal locker, manchmal ruhig, manchmal noch ehrlicher. Ich hab mich wohl gefühlt. Wir saßen gegenüber auf meinem Bett, nachdem einige Dinge in meinem Zimmer betrachtet worden waren und ich ihre Geschichten erzählt hatte. Wir redeten über Familie, Herkunft, Uni und anderes, das Wochenende spielte mit rein. Ich fand schön so viel von mir erzählen zu können und einen Zuhörer zu haben. Ich fand schön anzuknüpfen, wenn es passte. Ich fand schön, dass meine Gesprächsstücke aufgenommen und daran angeknüpft wurde. Der Austausch war wertschätzend, offen, aufnehmend, annehmend. Ehrlich. Dann der Blick auf die Uhr – oh, schon so spät? – und der Aufbruch, denn die nächste Verabredung wartet schon. An der Tür eine Umarmung zum Abschied, noch im Gespräch, das sich um mögliche nächste Treffen dreht. Dann die Schuhe – und schon fast an der Treppe: „Noch eine Umarmung!“ Und die gab es dann auch. Oh, ich möchte noch eine. Ich möchte das Gespräch fortsetzen, gern sofort. Ich glaube, es kann noch ehrlicher werden, noch näher. Vielleicht sitzen wir uns dann auch nicht gegenüber, sondern näher aneinander… So ein großartiger Mensch.

Menschen können großartig sein, großartig wirken. Ich fühle mich berührt und ich habe berührt, das in Kombination ist großartig. Wundervoll. Das tut so gut.

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